Berlin - Christoph Hundehege perlt der Schweiß von der Stirn, seine Arme sind zerkratzt und die Schuhe voller Erde. „Das ist ein völlig anderer Arbeitstag als sonst“, sagt er. Normalerweise trägt Hundehege Lackschuh und feinen Zwirn bei der Arbeit. Er ist Chef-Concierge im künftigen Hotel Waldorf Astoria im Hochhaus „Zoofenster“ in Charlottenburg.

Doch am Dienstag übt sich Hundehege im Gärtnern. Gemeinsam mit rund hundert weiteren Hotelangestellten reißt das Team auf der Freilichtbühne im Volkspark Jungfernheide Unkraut aus dem Boden, sägt Äste ab und fällt sogar einen Baum.

„Als wir um 9 Uhr begonnen haben, konnte man nicht mal die Tribünen-Ränge erahnen vor lauter Brennnesseln und Efeu“, sagt Hundehege. Seit mehreren Jahren fehlt ein Investor, der die Freilichtbühne nutzt und pflegt. Auch die Parkleitung habe keine Kapazitäten, um sich um das kleine Amphitheater zu kümmern. „Meine 18 Mitarbeiter und ich halten den ganzen Park instand. Die Bühne zusätzlich schaffen wir nicht“, sagt Revierleiterin Michaela Gericke.

Alternativ Urlaub oder E-Learning

Da trifft es sich gut, dass das Hotelpersonal noch nicht seiner eigentlichen Beschäftigung nachgehen kann. Nach zweimaliger Verschiebung des Eröffnungstermins, zuletzt von Juli auf das Jahresende, sind 80 Prozent der Mitarbeiter fest angestellt, bei vollem Gehalt. Doch was tut ein Concierge, der keine Gäste zu betreuen hat?

„Aktuell planen wir alles“, sagt Hundehege. Zum Beispiel, wo genau im Zimmer die Koffer der Gäste abgestellt werden – auf einem Hocker oder vor dem Bett? Einen Teil seiner Angestellten hat das Hotel in den Urlaub geschickt, oder es beschäftigt sie mit einem E-Learning-Programm für Hotelbeschäftigte, wie Personaldirektorin Daniela Welter sagt.

Oder es spannt sie anderweitig ein. Zum Beispiel im Bezirk. „Natürlich helfen wir. Wir sind schließlich die Neuen in der Gegend“, sagt Generaldirektor Friedrich W. Niemann. „Das Gärtnern ist zudem eine Teambildungs-Maßnahme.“ Auch Niemann selbst streift sich Arbeitshandschuhe über, stutzt Hecken und erntet schließlich viel Applaus, als er seine Mannschaft laut lobt.

Der Bezirk freut sich

Über das Resultat freut man sich ebenfalls im Bezirksamt Charlottenburg-Wilmersdorf. Die Verwaltung stellte Harken, Heckenscheren und Sägen zur Verfügung. „Wir wollen schnellstmöglich einen Pächter für die Freilichtbühne finden“, sagt Rembert Pischnick, Chef des Amtes für Landschaftsplanung.

Die freiwilligen Pflegearbeiten seien ein erster Schritt, um das Terrain attraktiv zu machen. Als nächstes soll der Sanierungsbedarf geschätzt werden, dann könne man die Bühne möglichen Interessenten vorstellen. Wann genau das sein soll, lässt Pischnick offen.

Ähnlich vage bleibt Hoteldirektor Niemann beim Eröffnungstermin des ersten Waldorf Astoria Hotels in Deutschland. „Im Herbst“, so lautet seine Antwort.