Eigentlich ist der Teufelsberg offiziell nur noch ein Wald. Als solcher ist die einstige Spionagestation der britischen und US-Militärs seit 2005 im Berliner Flächennutzungsplan (FNP) ausgewiesen. Doch immer mehr Besucher kommen, um den früheren Horchposten der Alliierten zu besichtigen – illegal oder bei geführten Touren.

Von rund 10.000 Besuchern in knapp zwei Jahren spricht der Filmemacher Shalmon Abraham, der das umzäunte Gelände gepachtet hat. Mit der Kulturagentur brandavia bietet er jedes Wochenende Führungen an, seit November sogar bei Dunkelheit – für Taschenlampen sorgt der Veranstalter.

Weiße Kugeln auf dem Gipfel

„Es sind viele Engländer, Franzosen und Italiener unter den Gästen“, sagt Abraham. Auch ehemalige Soldaten, die in der Zeit des Kalten Krieges dort stationiert waren, seien schon gekommen. „Ein Amerikaner hat uns erzählt, was während des Prager Frühlings von dort beobachtet wurde“, sagt Abraham. Denn aus den Gebäuden mit den charakteristischen weißen Kugeln auf dem Berggipfel konnte man bis weit in den Ostblock hineinhorchen – die dort stationierten Militärs hörten den Funkverkehr im östlichen Mitteleuropa ab.

Die Geschichte des knapp 115 Meter hohen Trümmerberges will auch Investor Hartmut Gruhl nutzen. Der Kölner Architekt gehört zu einer Investorengruppe, die 1996 das frühere militärische Sperrgebiet für knapp sechs Millionen Mark kaufte. Dort sollten ein Fünf-Sterne-Hotel entstehen, Luxuswohnungen und ein Tagungszentrum. Die Pläne zerschlugen sich, ebenso das Vorhaben des Regisseurs David Lynch und der Mararishi Weltfriedensstiftung für eine Esoterik-Universität.

Weil eine, aus Sicht der Investoren, große Lösung nicht mehr möglich ist, plädiert Gruhl nun für eine abgespeckte Nutzungs-Variante. Am Mittwochabend skizzierte sein Projektentwickler Erhard Dörr im Stadtplanungsausschuss von Charlottenburg-Wilmersdorf einige Grundzüge: „Auf dem Standort soll Geschichte erlebbar gemacht werden.“ So könnte ein Museum dort untergebracht werden, Forschungseinrichtungen zum Kalten Krieg, das Gelände könnte für Veranstaltungen genutzt werden. Auch Gastronomie solle es geben. Er sagt, dass keines der Gebäude abgerissen werden soll: „Die Häuser werden revitalisiert.“

Das Amt prüft noch

Wie der Bezirk spricht sich auch der Investor für Denkmalschutz aus. Bereits im März hatte das Bezirksparlament dafür votiert. Doch bisher ist noch keine Entscheidung gefallen. „Das Landesdenkmalamt prüft noch“, sagt Petra Rohland, Sprecherin von Stadtentwicklungssenator Michael Müller (SPD).

Dass Gruhl sich für den Denkmalschutz ausspricht, dürfte nicht nur einem Faible für Historisches zuzuschreiben sein – es könnte ihm auch einen Vorteil gegenüber seinem früheren Partner verschaffen. Denn dieser, Hanfried Schütte aus Bad Pyrmont, ist ebenfalls an das Bezirksamt mit neuen Ideen herangetreten. „Allesamt nach geltendem Baurecht nicht genehmigungsfähig“, sagt Stadtrat Schulte. Mehr will er wegen vereinbarter Vertraulichkeit nicht sagen.

Auch aus Bad Pyrmont ist nichts Konkretes zu erfahren. Man werde sich zu gegebener Zeit erklären sagt Marvin Schütte, der als Berater seines Vaters fungiert. Es heißt, dass Schütte eine Neubebauung mit Hotel und Wohnungen favorisiert.

Kommt der Denkmalschutz, ist daran nicht mehr zu denken – und Gruhl könnte das Rennen machen, wenn er den Bezirk überzeugt. Am Mittwoch wurde seinem Projektentwickler zunächst mitgegeben, ein tragfähiges Konzept zu erarbeiten. Das soll laut Dörr in zwei Monaten vorliegen. Bis Entscheidungen fallen, wird auf dem Teufelsberg vor allem einer aktiv bleiben: Pächter Abraham.

Der will künftig dort auch Aktionen anbieten. So können sich Musiker im Winter zu Sessions im großen Turm anmelden. An kostenfreie Graffiti-Workshops für Schulen sei ebenfalls gedacht. „Eine erste Veranstaltung hatten wir schon in dieser Woche“, sagt Abraham.

Führungen und Veranstaltungen buchbar unter Tel. 0163-858-5096 (Abraham) oder teufelsberg@berlinsightout.de