Viele Berliner Grundschulen müssen zum kommenden Jahr mehr Erstklässler aufnehmen als in den Vorjahren. Oft werden zusätzliche Klassen eingerichtet, dafür werden Freizeit- oder Teilungsräume aufgegeben. In Charlottenburg-Wilmersdorf hilft selbst das nicht mehr. Dort sollen zum kommenden Schuljahr an vielen Grundschulen Klassen mit mehr als 26 Kindern eingerichtet werden.

Dies widerspricht der gültigen Grundschulverordnung. Darin ist festgelegt, dass eine Lerngruppe in der Schulanfangsphase grundsätzlich zwischen 23 und 26 Kinder haben sollte. Diese Klassengröße kann sogar auf 21 Kinder abgesenkt werden, wenn 40 Prozent der Kinder aus armen oder migrantischen Familien stammen.

Individuelle Förderung schwierig

Mehrere Grundschulen in Charlottenburg-Wilmersdorf sollen nun ab Sommer mehr Schulanfänger aufnehmen, als die Bildungsverwaltung eigentlich vorgibt. „In unsere Klassen sollen 27 oder 28 Kinder gehen“, sagt Schulleiterin Domenica Acri von der Carl-Orff-Grundschule in Schmargendorf. Und da seien die Kinder, die aus der Willkommensklasse in die Regelklasse kommen, noch gar nicht mitgerechnet. Erschwerend kommt hinzu, dass die Orff-Grundschule das Jahrgangsübergreifende Lernen in altersgemischten Gruppen anbietet. Dabei sollen die Schüler gemäß ihres individuellen Tempos lernen und gefördert werden. Dafür ist es besonders wichtig, dass der Lehrer alle im Blick hat. „Das ist bei so großen Klassen natürlich besonders schwierig“, sagt Schulleiterin Acri.

Sind solch große Klassen überhaupt erlaubt? Ausnahmefälle seien möglich, hieß es dazu aus der Bildungsverwaltung: „Unzulässig wäre es, wenn dies systematisch erfolgen würde, also der Schulträger solche Klassengrößen flächendeckend oder auch nur an einer Schule in Kauf nimmt.“

Besonders große Klassen müssen auch andere Grundschulen im Bezirk einrichten: Zum Beispiel die Reinhold-Otto-, die Lietzensee- oder die Heinroth- Grundschule. Der zuständige Stadtrat Oliver Schruoffeneger glaubt, dass noch Eltern ihre Kinder ummelden oder in Privatschulen schicken. Dann löse sich das auf, sagte er. In Pankow, Lichtenberg und anderen Bezirken hat man es offenbar geschafft, Klassen mit maximal 26 Kindern einzurichten. In Lichtenberg müssen noch Flüchtlingskinder untergebracht werden.

Zum Vergleich: Sekundarschulen dürfen gesetzlich maximal 26 Schüler in einer Klasse haben. Die Maximalgröße einer Klasse am Gymnasium beträgt 32 Schüler, wird aber mitunter überschritten.