Aufgeben ist für sie offenbar keine Option: Sawsan Chebli geht ins Rennen um das SPD-Direktmandat.
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BerlinSawsan Chebli gibt nicht auf. Die Kontrahentin von Michael Müller im Rennen um das SPD-Direktmandat zur Bundestagswahl in Charlottenburg-Wilmersdorf fordert eine Mitgliederbefragung im Kreis. Damit gerät die zuvor in internen Runden abgesprochene und damit scheinbar sichere Kandidatur Müllers infrage. Der Konflikt zwischen dem Regierenden Bürgermeister und seiner Staatssekretärin in der Senatskanzlei spitzt sich zu.

Am Montag verschickte Chebli einen Kandidatenbrief. In dem Brief schreibt die 42-jährige, in Berlin geborene Tochter palästinensischer Einwanderer, sie wolle, „dass sich Menschen aller Generationen, Menschen mit und ohne Migrationsbiografie, wieder für die SPD begeistern“. Müller wird im Dezember 56 Jahre alt.

Müllers Ambitionen waren lange ein offenes Geheimnis in der Partei. Doch er zögerte lange. Nachdem sein eigener Kreis Tempelhof-Schöneberg durch den ebenfalls von dort stammenden Hoffnungsträger Kevin Kühnert belegt war, bekannte sich Müller zur Kandidatur in Charlottenburg-Wilmersdorf. Das kollidierte mit Chebli, die ebenfalls in ihrem Heimat-Kreisverband antreten will.

Chebli sagte, sie sei nach Müllers Bewerbung in sich gegangen und habe sich gefragt, ob sie weiter antreten wolle. Ergebnis dieser Introspektion: Ja, sie will! Und weiter: „Und dann sollten am besten alle Mitglieder entscheiden, wer in unserem Kreis antreten soll. So habe auch ich eine Chance.“

Auch Müller hat mit dem Wahlkampf längst begonnen. Am nächsten Dienstag lässt er seinen Senat im Rahmen der Bezirksbesuche im Rathaus Charlottenburg tagen. Zusammen mit Bürgermeister Reinhard Naumann, einem erklärten Befürworter seiner Kandidatur, will Müller danach eine Tour durch den Bezirk unternehmen.

Am 10. September will der Kreisvorstand über eine Mitgliederbefragung befinden. Zur Debatte stehen eine Präsenzwahl, eine Briefwahl oder eine Online-Abstimmung unter den 2000 Mitgliedern. Das Ergebnis müsste spätestens Mitte November vorliegen, zwei Wochen später bestimmt die Kreisdelegiertenversammlung den Kandidaten. Das Ergebnis der Befragung wäre nicht bindend für die Delegierten.