BerlinBei den Mitarbeitern des Daimler-Werks in Marienfelde liegen die Nerven blank. Seit Wochen droht dort ein massiver Stellenabbau. Befürchtet wird, dass von den 2500 Arbeitsplätzen nur noch 500 bis 700 übrig bleiben könnten. Werkleiter René Reif hatte noch Ende September beschwichtigt. Das Werk werde nicht geschlossen, verkündete er vor aufgebrachten Mitarbeitern. Nun stellt sich heraus, dass Reif das Werk verlässt. Nach Angaben der IG Metall soll der Daimler-Manager zu Tesla nach Grünheide in Brandenburg wechseln. Bei Daimler war dazu bislang keine Stellungnahme zu bekommen.

Bei der Gewerkschaft ist man sauer. „Tesla kommt, Daimler geht“? fragt Jan Otto, Chef der Berliner IG Metall. Das könne es nicht sein. Otto will die Transformation für das Werk, will Elektromobilität. Vor wenigen Wochen hatten Gewerkschaft und Betriebsrat noch mit Werkleiter Reif über die Zukunft des ältesten Werks des Daimler-Konzerns verhandelt. Den Wechsel des Werksleiters empfindet er als Verrat. „Fraglich ist, ob wir nicht die ganze letzte Zeit belogen wurden“, sagt Otto.

Die Ankündigung der schrittweisen Produktionsstilllegung in Berlin sei zudem das falsche industriepolitische Signal, so der Gewerkschafter. „Es kann doch nicht angehen, dass Tesla keine 50 Kilometer vom Mercedes Benz-Werk Berlin entfernt ein ganz neues Werk mit 10.000 Arbeitsplätzen baut und dem Daimler-Management fällt gleichzeitig nicht mehr ein, als vor der Zukunft zu kneifen und sein ältestes produzierendes Werk hier dichtmachen zu wollen. Das ist verheerend für Deutschlands Premium-Automarke.“

Das Werk in Marienfelde wird seit Monatsbeginn von Clemenz Dobrawa geleitet, der von Daimlers eigener Batteriefabrik Accumotive im sächsischen Kamenz nach Berlin gewechselt war. Reif, der 2017 die Werksleitung in Marienfelde übernommen hatte, solle ihn noch bis Jahresende begleiten.