Die BSR hat keine Nachwuchssorgen, sie wird von Bewerbern nahezu überrannt. Und das bei so harten Jobs wie Straßenreiniger oder Müllmann, wo man auch mal nachts um drei aus dem Bett muss. Wie kommt das?

Wir zahlen Löhne, von denen unsere Mitarbeiter auch leben können, das ist sicher ein großer Anreiz. Wir bieten Gesundheitsberatungen und Fortbildungen an. Wir haben die Möglichkeit geschaffen, dass die Männer und Frauen, die harte körperliche Arbeit machen, früher in den Ruhestand gehen können, jeder Mitarbeiter zahlt dafür einen Solidarbeitrag. Wir sind als familienfreundlicher Betrieb zertifiziert ...

...Gleitzeit, Teilzeit, ...?

Zeit zur Pflege kranker Eltern, unsere Teilzeit-Ausbildung für junge Mütter, das ist sonst eher selten, es gibt ein Eltern-Kind-Zimmer, wenn ein Kind mal mit zur Arbeit genommen werden muss und vieles mehr. Mir ist eines ganz wichtig: Wir müssen nicht mehr den Stil pflegen, der früher von Männern geprägt wurde, die von jeder häuslichen Verpflichtung freigestellt waren. Es gibt bei uns keine Besprechungen um 19 Uhr, wenn es keine Kinderbetreuung mehr gibt. Kindererziehung ist nicht nur das Thema der Frauen, sondern auch der Männer. Da muss sich die Kultur ändern und ein Umdenken stattfinden.

Wie passt das alles zusammen mit Ihrem Anspruch, so wirtschaftlich wie ein Privatunternehmen zu sein?

Das geht nur durch Leistungsverdichtung. Wir haben kontinuierlich gespart, unsere Mitarbeiter – auch in den Büros – müssen mehr arbeiten als früher, die Mülltouren sind länger, die Meter Straßenland, die gereinigt werden müssen, auch. Das ist kein Hexenwerk, sondern ein Prozess sehr disziplinierter Arbeit. Da wird sich zusammengesetzt und als gemeinsames Ziel festgelegt, wie viele Millionen wann in welchem Bereich eingespart werden. Personalvertretung und Vorstand haben da, nach harten Verhandlungen, eine gemeinsame Strategie. Eine gute Mitbestimmung kann etwas Wunderbares sein.

Die Wasserbetriebe sind wieder in städtischer Hand, Strom- und Gasnetz sollen ebenfalls wieder in kommunaler Regie betrieben werden. Wie viele kommunale Unternehmen kann sich Berlin leisten?

Das kann man nicht pauschal sagen. Dieses „privat ist besser“, wie es jahrelang vertreten wurde, habe ich für falsch gehalten. Und es hat sich gerächt. Man muss jetzt aber auch nicht alles reflexhaft kommunal machen. Die Stadt muss sich aber überlegen, welche Aufgaben ihr so wichtig sind, dass sie sie in eigener Regie erledigen will. Man muss prüfen, wo ökologische und wirtschaftliche Vorteile liegen. Und dann sollte man das Ganze möglichst unemotional entscheiden.

Läuft es richtig, wie es läuft?

Das kann und will ich nicht beurteilen.

Noch trifft man auffällig wenige Frauen an der Spitze großer Unternehmen. Was bedeutete das für Sie?

Man ist bekannt wie ein bunter Hund, weil es eben noch so selten vorkommt, vor allem in der privaten Wirtschaft. Man wird sehr genau beobachtet, was man tut, was man sagt. Macht man einen Fehler, hat die Frau versagt, macht ein Mann einen Fehler, war’s Herr Müller oder Herr Meyer und nicht der Mann als solcher.

„Danke Anke“, „voll gut Knut“, „Sehr nett, Fred“, Ihre Imagekampagne wirkt seit Jahren. Andere Städte wollen das nachmachen, aber sind bei weitem nicht so gut darin, wer entwickelt eigentlich die Sprüche?

Das ist kein Geheimnis, wir schreiben die Kampagne immer neu aus, da sind mehrere Agenturen beteiligt, das sagen wir auch immer, aber das glaubt uns keiner. Die Kampagne fing ja schon vor meiner Zeit an, mit „We kehr for you“ 1999. Da war sie noch auf Reinigung und starke Männer gemünzt, jetzt haben wir mit Slogans wie „Lola trennt“ umgestellt auf Recycling.

Das wäre auch Stoff für ein Buch.

Vielleicht hat meine Nachfolgerin daran Interesse.

Was werden Sie denn nach Ihrem Ausscheiden bei der BSR tun?

Ich sammle gerade Ideen. Wenn alle sagen, wir sind gespannt darauf, was Sie machen werden, dann kann ich nur sagen: ich bin es auch.

Das Gespräch führte Sabine Deckwerth.