Berlin - Vielleicht bekommt die Stadt Frankfurt (Oder) tatsächlich noch eine zweite große Chance: Denn es ist nicht ausgeschlossen, dass der Intel-Konzern aus den USA in der Grenzstadt zu Polen eine milliardenteure Chipfabrik baut. Das wäre der zweite Versuch, nachdem der erste 2003 endgültig gescheitert war.

Intel hat angekündigt, vielleicht in Europa produzieren zu wollen. Der Konzern verhandelt wohl bereits mit der EU über Fördermöglichkeiten, die die Entscheidung erleichtern würden. Geschätzt wird, dass die Investitionssumme 20 Milliarden Euro beträgt, mögliche Förderungen könnten bei acht Milliarden Euro liegen.

„Brandenburg ist ein möglicher Standort“

Die Märkische Oderzeitung zitiert Andreas Bilfinger, den Sprecher der bundeseigenen Wirtschaftsfördergesellschaft German Trade & Invest (GTAI) mit den Worten: „Brandenburg ist ein möglicher Standort für die Ansiedlung.“ Er verweist darauf, dass auch andere US-Großinvestoren wie Tesla in Ostbrandenburg investieren.

Tesla-Chef Elon Musk lässt seine erste europäische Produktionsstätte für Elektroautos in Grünheide bauen. Für Intel ist der Wandel in der deutschen Autoindustrie zu mehr E-Mobilität ein durchaus interessanter Faktor bei der Standortentscheidung.

Eine Sprecherin des Potsdamer Wirtschaftsministeriums sagte der Berliner Zeitung, das Ministerium habe die Aussagen des GTAI „mit Interesse“ zur Kenntnis genommen. „Allein, dass Brandenburg in diesem Zusammenhang als möglicher Standort genannt wird, ist schon ein Erfolg – und ein Beleg dafür, wie attraktiv die Mark als Wirtschaftsstandort ist“, so die Sprecherin. „Natürlich wäre es eine tolle Sache, wenn sich Intel in Brandenburg ansiedeln würde – aber das ist zum jetzigen Zeitpunkt ein Blick in die Glaskugel.“

Oberbürgermeister bereits im Gespräch

Doch offensichtlich gab es bereits Gespräche. Das bestätigte der Sprecher der Stadt Frankfurt (Oder) Uwe Meier der Berliner Zeitung. „Unser Oberbürgermeister René Wilke ist bereits im Gespräch.“ Allerdings sei die Entscheidung über einen möglichen Produktionsstandort in Europa noch nicht so weit gediehen, dass klar sei, welcher Staat es werde. „Sollte eine Entscheidung für Deutschland fallen, sieht sich Frankfurt (Oder) gut gerüstet.“ Dafür gebe es gleich mehrere Gründe: Die Stadt verfüge über die notwendige Menge der benötigten Gewerbe- und auch Industrieflächen. Die Stadt habe eine jahrzehntelange Tradition in der Mikroelektronik – mit dem Halbleiterwerk zu DDR-Zeiten. Außerdem sei an der Oder die Forschung an Zukunftstechnologien angesiedelt – mit dem Leibniz-Institut IHP. „Abgesehen davon haben wir eine Lage mitten im Herzen von Europa“, sagte Meier. „Wenn eine Entscheidung für Deutschland fallen sollte, wären wir ein guter Standort.“

Der erste Versuch von Intel, in der Oder-Stadt mithilfe von Fördermilliarden und Geld aus Dubai eine Chipfabrik zu bauen, scheiterte. Es gelang nicht, die Bedingungen zu erfüllen, um die Fördermilliarden von der EU zu bekommen.