Mit Schaum vorm Maul könnte man den Streit führen, ob die Beuth Hochschule für Technik Berlin den Namen Christian Peter Beuths behalten oder ablegen soll. Die Schule hat sich für den mühsamen, sachlichen Weg entschieden und gibt allen anderen Konflikten um Namensgebung und Umbenennung ein Vorbild. So bot sie jetzt mit einem zweitägigen Symposium zum Thema „Beuth in seiner Zeit“ die Chance, wichtiges Hintergrundwissen zu erwerben – über Preußen und die Befreiungskriege, die Juden-Emanzipation, den Modernisierungsstreit zwischen jüdischen Aufklärern und Verteidigern alter Sitten – und natürlich über die Figur Beuth. Ein faszinierender Mann: großer Wirtschaftsreformer, Begründer des deutschen Ingenieurwesens, der das Ständische überwinden, allen Schichten Bildungszugang – gebührenfrei – verschaffen wollte. Und zugleich einen rigiden Antisemitismus vertrat.

Seit der Forscher Stefan Nienhaus in einem Archiv die mit widerlichen judenfeindlichen Stereotypen randvolle Rede fand, die Beuth 1811 vor der Deutschen Tischgesellschaft hielt, muss sich die Hochschule der Debatte stellen. Dass der verehrungswürdige Beuth ein harter Antisemit war, hat die Wissenschaft hinlänglich bewiesen, auch wenn es Zweifler gibt wie den ehemaligen Präsidenten der Hochschule Professor Reinhard Thümer. So ging es also um die Frage, wie mit diesem zwiefachen Erbe umzugehen sei.
Professorin Monika Gross, Präsidentin der Hochschule, machte gleich eingangs klar: Es wird „dezidiert ergebnisoffen“ debattiert, die Debatte geht weiter, demnächst erhebt man in einer institutionsinternen Befragung ein Meinungsbild, eine Ausstellung ist in Arbeit, ein zusätzlicher unabhängiger Gutachter wird arbeiten, und so fort.

Technische Hochschule oder gerne „H2O“

Einen Eindruck von der Stimmungslage bot die Podiumsdiskussion zum Abschluss des Symposiums. Die drei Vertreter der Hochschule, davon eine Studentin und ein Student, wollen die Umbenennung. Reinhard Thümer wiederum legte seine Meinung dar, bei einer Verhandlung vor einem heutigen, ordentlichen Gericht käme es anhand der vorliegenden Indizien nicht zur Verurteilung Beuths.

Die drei auswärtigen Professoren erweiterten den Blick auf das Thema: Thomas Stamm-Kuhlmann, Historiker von der Universität Greifswald, berichtete von langem, teils „vergiftetem“ Streit um den Namen des Antisemiten und wackeren Frühdemokraten Ernst Moritz Arndt. Er wurde unter anderem abgelegt, weil es 1933 die Nazis waren, die der Uni Greifswald den Namen Arndt verpassten. Beuth hingegen sei ja Ahnherr der Berliner Schule.

Friedemann Stengel, Theologe an der Martin-Luther-Universität Hal-le-Wittenberg schloss als Ostdeutscher die Identifikation mit dem Namen einer Institution aus: „Das mache ich nicht mehr mit.“ Er plädierte für die Suche nach einem Kompromiss, „mit dem alle leben können“. Über die Beuth-Debatte hinaus ging Andreas Nachama, Historiker und Rabbiner. Geschichte könne man nicht ausradieren, fortgesetzter Dialog sei unabdingbar, die Hochschule solle jedenfalls die Beuth-Historie öffentlich dokumentieren. Am besten aber sein Vorschlag: Das alte Konzept „Männer machen Geschichte“ gehöre in die Mottenkiste; es mit Frauennamen fortzusetzen, mache die Sache nicht besser. Stattdessen abstrakte Namen und Orte, Erfindungen – also Technische Hochschule oder gerne „H2O“.