Berlin - Menschenrechte gelten für alle – Ausnahmen darf es nicht geben. Jeder Mensch hat von Geburt an ein Recht auf Freiheit und Würde. Deshalb begrüße ich die Feiern zum diesjährigen Christopher Street Day (CSD) in Berlin, in Deutschland, in den Vereinigten Staaten und auf der ganzen Welt. LGBT ("Lesbian, Gay, Bisexual und Trans", deutsch: Lesben, Schwule, Bisexuelle und Transsexuelle) Pride würdigt den unaufhaltsamen Fortschritt und die Tatsache, dass für immer mehr Menschen auf der ganzen Welt das gilt, was wir unter Menschenrechten verstehen.

Gesellschaftliche Veränderungen vollziehen sich oft nur langsam, und die entscheidenden Momente sind häufig nicht leicht zu erkennen. Aber am 28. Juni 1969 wurden im Stonewall Inn in New York lautstark Freiheit und Würde für lesbische, schwule, bisexuelle und transsexuelle Menschen eingefordert. Als die Polizei nach Mitternacht eine Razzia in diesem beliebten LGBT-Treffpunkt durchführte, versammelte sich eine große Menschenmenge. Eine Frau, die während der Festnahme grob behandelt worden war, wandte sich an die Menge, als sie in Handschellen abgeführt wurde, und rief: "Warum unternehmt ihr nichts?"

Aber dann unternahmen sie etwas! Aus heutiger Sicht mag man die Gewalt, die sich in den folgenden drei Tagen auf den Straßen entlud, kritisieren, aber die Situation für Homosexuelle, Bisexuelle und Transsexuelle war unerträglich geworden. Aus diesen Tagen des Zorns heraus entstand eine moderne, organisierte Menschenrechtsbewegung, nicht nur in den Vereinigten Staaten, sondern auch in Europa und sogar weltweit. Die Emotionen auf der Christopher Street schweißten diese Menschen zu einer Gemeinschaft zusammen, und gemeinsam ist man stark.

Menschenrechte für alle

Diese Gemeinschaft hat es in den seither vergangenen vierzig Jahren von Verachtung zu Hochachtung gebracht. Indem er den Juni 2012 zum LGBT Pride Month erklärte, würdigte Präsident Obama die LGBT-Community: "Homosexuelle, bisexuelle und transsexuelle Amerikanerinnen und Amerikaner und ihre Mitstreiter haben erreicht, was einst unerreichbar schien. In diesem Monat … verpflichten [wir] uns erneut dazu, die Segnungen der Freiheit für alle Amerikaner zu gewährleisten."

Zwar haben Homosexuelle, Bisexuelle und Transsexuelle in den USA und überall in Europa sehr viel erreicht, aber die Fortschritte sind noch uneinheitlich. Außenministerin Clinton äußerte sich im Dezember vorigen Jahres anlässlich des Internationalen Menschenrechtstags in Genf zu diesem Thema und sagte, die Rechte der LGBT-Community seien "auf dem Gebiet der Menschenrechte eine der verbleibenden Herausforderungen unserer Zeit."

Seit mehr als sechzig Jahren verteidigen die Vereinigten Staaten und Deutschland gemeinsam Freiheit und Menschenrechte im In- und Ausland. Als die LGBT-Community an Stärke zu gewinnen und Vorurteile abzubauen begann, wurden ihre Anliegen von unseren jeweiligen Regierungen aufgegriffen – sicherlich mit frustrierenden Verzögerungen und vielen Fehltritten, aber letztendlich auch mit bewundernswerter Entschlossenheit und Überzeugungskraft.

Die noch vor uns liegende Aufgabe bleibt überwältigend, vor allem die Notwendigkeit, gegen die unentschuldbare Schikane, den Hass und die Gewalt vorzugehen, die auf der ganzen Welt mit Homophobie einhergehen. Wir müssen wieder handeln und zwar bevor sich jemand blutend und in Handschellen an uns wendet und fragt: "Warum unternehmt ihr nichts?"

Wenn also alle freiheitsliebenden Menschen auf der Welt diesen Sommer zusammen LGBT Pride feiern, sollten wir das Fest zwar genießen, aber auch jeden Tag, auf jede erdenkliche Art und Weise alles tun, um Menschenrechte für alle einzufordern.

Die LGBT-Community und ihre Mitstreiter hier in Deutschland verdienen Lob und Anerkennung, und ich möchte an dieser Stelle das große Engagement des Lesben- und Schwulenverbands Deutschland (LSVD) für die Menschenrechte im Herzen Europas hervorheben. Herzlichen Glückwunsch, Berlin, zum 34. CSD, und herzlichen Glückwunsch und alles Gute der LGBT-Community überall.