Um den diesjährigen Christopher Street Day am 21. Juni ist ein Streit zwischen den Organisatoren und der Politik entbrannt. So soll der Festumzug für die Gleichberechtigung von Homosexuellen nach einem Beschluss des Veranstalters CSD e.V. in Stonewall Parade umbenannt werden. Dagegen protestieren die lesbisch-schwulen Arbeitsgemeinschaften von SPD, CDU, Grünen und Liberalen in einem am Mittwoch veröffentlichten offenen Brief. Der Beschluss sei „kurzfristig und nur formal eingebracht und abgestimmt worden, ohne die Community und die beteiligten Vereine, Verbände und Parteien einzubeziehen“. Ein kleines Gremium habe über die Namensänderung einer Veranstaltung des Gemeinguts entschieden, mit der sich Hunderttausende identifizieren.

„Dieser offene Brief unterschiedlicher Parteien sollte für die Vereinsmitglieder ein Warnhinweis sein“, sagte der Regierende Bürgermeister Klaus Wowereit der Berliner Zeitung. Das gemeinsame Ziel aller Beteiligten müsste eine machtvolle Demonstration für die gleichen Rechte Homosexueller sein. Daher sollten alle Beteiligten noch einmal darüber diskutieren, ob eine Umbenennung die richtige Entscheidung sei, sagte Klaus Wowereit.

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Mitunterzeichnerin des Briefes ist Petra Nowacki von der Arbeitsgemeinschaft Lesben und Schwule in der SPD, die dem CSD-Verein angehört. Nowacki war bei der Mitgliederversammlung am 29. Januar dabei und berichtete, Vorstand und Geschäftsführung des Vereins hätten den Antrag durchgepeitscht ohne Diskussion. „Der Verein wird inzwischen von Einzelpersonen beherrscht und verscherzt es sich zusehends mit der Community und Kooperationspartnern.“

Offenbar ist die Umbenennung nur der Auslöser eines sich länger abzeichnenden Zerwürfnisses zwischen Vereinsspitze auf der einen sowie Sponsoren und Partnern der Veranstaltung auf der anderen Seite. So gibt es dieses Jahr keine CSD-Gala im Friedrichstadtpalast, weil Vereins-Geschäftsführer Robert Kastl und der Intendant sich nicht einigen konnten. Kastl hinterlasse überall verbrannte Erde, heißt es. Auch mit dem Bezirksamt Mitte führe der Verein eine Dauerfehde über die Höhe der zu entrichtenden Straßennutzungsgebühren für den Festumzug.
„Ich betrachte das Auftreten des CSD-Geschäftsführers mit zunehmender Sorge“, sagte der queerpolitische Sprecher der CDU, Stefan Evers. Kastl sei immun gegen Kritik. Im vergangenen Jahr hatte der Verein die CDU von der Parade ausgeschlossen. Auch die Teilnahme Klaus Wowereits sei zunächst nicht erwünscht gewesen, sagte der queerpolitische Sprecher der SPD, Tom Schreiber. Die Umbenennung des Labels Christopher Street Day sei weder mit den Airlines noch der Hotellerie besprochen worden, die für die Veranstaltung werben. Zudem seien Pläne des Vereins, die Abschlussveranstaltung nur noch an Brandenburger Tor, Kanzleramt oder Reichstag abzuhalten, realitätsfern. Schreiber droht: „Die müssen aufpassen, dass sie es nicht mit einer Konkurrenzveranstaltung zu tun bekommen.“


Mehr Politik, weniger Party


„Ich glaube, dass Schreiber und Evers den Christopher Street Day übernehmen wollen“, konterte CSD-Geschäftsführer Kastl und sprach von einem „Regierungs-CSD“, der den Abgeordneten vorschwebe. „Es passt ihnen nicht, dass wir – weg von der Party – politischer werden wollen, auch in unserer Kritik gegenüber der Regierung.“ Die Umbenennung der Parade sei noch nicht offiziell beschlossen. „Der Tag an sich wird weiterhin Christopher Street Day heißen, aber beim Umzug selbst oder dem Finale läuft es auf Stonewall hinaus.“

Dies sei der Name einer Szenekneipe in der Christopher Street in New York gewesen, in der 1969 die Proteste von Homosexuellen gegen polizeiliche Übergriffe ihren Anfang nahmen.
Der Verein will sich künftig nicht nur am Christopher-Street-Day politisch für die Gleichstellung Homosexueller engagieren, sondern das ganze Jahr über. „Wir wollen das machen, was Greenpeace im Ökobereich tut“, sagte Kastl. Inhaltliches Thema in diesem Jahr sei „Back to the Roots“ – zurück zu den Wurzeln von Stonewall. Kastl sagte, er verstehe die ganze Aufregung nicht. Sein Konzept will er am 26. Februar einem breiten Forum vorstellen.