Berlin - Für Fledermäuse ist Berlin offensichtlich ein guter Ort. Von den 25 in Deutschland vorkommenden Arten  gibt es immerhin 18 in Berlin. Bislang ist jedoch recht wenig über die Verbreitung und die Streifzüge der nachtaktiven Tiere bekannt.

Teilnehmer des Citizen Science Projekts erfahren etwas über die Fledermäuse der Stadt

Das wollen  Wissenschaftler des Leibniz-Instituts für Zoo- und Wildtierforschung (IZW) mithilfe interessierter Bürger ändern.
Gesucht werden 60 Mitstreiter, die zwischen  Ende August und Ende September Fledermäuse auf ihren nächtlichen Streifzügen belauschen und die Ultraschallrufe der Tiere aufzeichnen.

Das IZW-Team um Miriam Brandt hat 60 jeweils zwei bis drei Kilometer lange Wegstrecken festgelegt, die von den Bürgerwissenschaftlern an zwei Abenden abgeschritten werden. Um die Rufe aufzuzeichnen, erhalten die Teilnehmer leihweise einen Detektor. Danach sind zweimal Fragebögen auszufüllen – ein Zeitaufwand von etwa einer Stunde pro Fragebogen. Außerdem besteht die Möglichkeit, eigene Auswertungen vorzunehmen und sich über eine Online-Plattform untereinander auszutauschen.

Die Artenvielfalt der Fledermäuse in Berlin ist groß

„Im Rahmen des Projektes erfahren die Teilnehmer viel über das Leben von Fledermäusen in der Stadt und erhalten einen Einblick in die Rufauswertung“, verspricht  Miriam Brandt. Spannend könne gerade diese Projektphase auch werden, weil im August und September die Balz- und Migrationszeit der Fledermäuse sei.

Die erste Runde des Projekts startete im Mai. 49 Berliner haben sich beteiligt und mehr als 143.000 Rufe aufgenommen. Darunter waren die Rufe von fünf sicher bestimmbaren Arten und elf weiteren Arten, die nicht eindeutig zu identifizieren waren und daher zunächst akustischen Gruppen zugeordnet wurden. Zum Teil sei die Artenvielfalt  entlang ein und derselben Strecke groß gewesen und habe die Teilnehmer sehr beeindruckt und berührt, berichtet Projektkoordinatorin Anke Schumann.

„Fledermausforscher in Berlin“  ist ein großes Bürgerwissenschafts-Projekt

Die drei häufigsten in Berlin nachgewiesenen Arten sind Zwergfledermaus, Rauhautfledermaus und Mückenfledermaus. Zu den seltenen Arten, die sich  aufspüren lassen, zählt die Mopsfledermaus, die eigentlich im Wald heimisch ist.

„Fledermausforscher in Berlin“ ist Teil eines größer angelegten Projekts, in dessen Rahmen das IZW seit Herbst 2018 auch ein bürgerwissenschaftliches Projekt zu terrestrischen Säugetieren in Berlin durchführt. Bei derartigen Bürgerwissenschafts-Projekten, auch Citizen Science genannt, geht es nicht nur darum, Forschern zu helfen, Daten und Informationen zu gewinnen. Die Teilnehmer sollen auch Kenntnisse über das jeweilige Forschungsfeld und die wissenschaftliche Arbeitsweise vermittelt bekommen.

Bewerbungen für das aktuelle Projekt bis zum 4. August