City-Ost: Alexanderplatz und Jannowitzbrücke bekommen neue Hochhäuser

Das Berliner Baukollegium gibt grünes Licht für neue Hochhäuser. Das Gremium unter dem Vorsitz von Landesbaudirektorin Regula Lüscher sprach sich in seiner Sitzung am Dienstag für zwei neue Türme am Alexanderplatz aus. Der Bau erfordert den Abriss des gesamten Gebäuderiegels des ehemaligen Hauses der Elektroindustrie auf einer Länge von 221 Metern. Auch das Hofbräuhaus in der Karl-Liebknecht-Straße soll den Neubauten der TLG Immobilien AG weichen. Überraschend wurde in der Gremiensitzung außerdem ein völlig neues Bauprojekt besprochen – ein Hochhaus an der Jannowitzbrücke.

Die drei geplanten Türme werden das Gesicht des Bezirks Mitte verändern. Man muss hinzufügen: Wenn sich wirklich gebaut werden. Denn 25 Jahre nach dem ursprünglichen „Hochhaus-Masterplan“ des Star-Architekten Hans Kolhoff steht noch kein einziger Wolkenkratzer im Umfeld des Alexanderplatzes. Die nun vom Baukollegium befürworteten Türme waren, mit Ausnahme des Gebäudes an der Jannowitzbrücke, bereits im Kolhoff-Plan des Jahres 1993 und in dessen Überarbeitung aus dem Jahr 2015 vorgesehen. Neu ist allerdings, dass sie nun niedriger sein sollen, um sich harmonischer ins Bild der City-Ost einzufügen.

Abriss des gesamten Büro-Riegels

Die neuen Hochhäuser sollen sich am bestehenden Hotel Park Inn orientieren und es nicht überragen. Statt der von Kolhoff geplanten Gebäudehöhe von 150 Metern sind nur noch 130 Meter vorgesehen, was von Landesbaudirektorin Lüscher ausdrücklich unterstützt wird. Für die beiden Hochhäuser der TLG Immobilien auf der Nordseite des Alexanderplatzes gibt es nach Auskunft von Projektleiterin Karin Richter noch keine Architekturentwürfe. Ein Wettbewerbsverfahren, in dem die künftige Gebäudegestaltung erst ermittelt werden soll, sei in Vorbereitung. Fest steht, dass das Hochhaus-Ensemble insgesamt 149.500 Quadratmeter Fläche beanspruchen kann.

Dass für die Neubauten ein großflächiger Abriss des gesamten Büro-Riegels mit dem ehemaligen Haus der Elektroindustrie erforderlich ist, wird im Baukollegium durchaus positiv gesehen. Der Riegel wirke, so hieß es, wie eine Wand, und lasse das dahinter liegende Stadtquartier mit dem Polizeiabschnitt 32 und zahlreichen neuen Wohnungen nicht zur Geltung kommen. Das Haus der Elektroindustrie, in dem vorübergehend die Treuhand und das Bundesumweltministerium untergebracht waren, ist nicht denkmalgeschützt.

Abgerissen wird auch der dahintergelegene Kubus, in dem zu DDR-Zeiten eine große Betriebskantine untergebracht war und der deshalb „Fresswürfel“ genannt wurde. Seit November 2011 befindet sich dort das Hofbräu Berlin mit Platz für bis zu 4000 Gästen. Dem Vernehmen nach sollen die Betreiber des Wirtshauses die Chance erhalten, im künftigen Hochhaus an gleicher Stelle neu zu eröffnen. Der Bebauungsplan sieht außerdem vor, dass in beiden Hochhäusern der TLG Immobilien und dem sie verbindenden Häuserblock neue Wohnungen entstehen. 15 Prozent der Gesamtfläche sind dafür vorgesehen. Die eigentliche Überraschung der Sitzung des Baukollegiums war die Ankündigung eines neuen Hochhauses unmittelbar am S-Bahnhof Jannowitzbrücke. Nur eine Gasse soll das Bahnhofsgebäude künftig von dem 70 Meter hohen Turm-Neubau und einer angeschlossenen Fußgängerpassage trennen.

Neues Bauprojekt soll den Standort Jannowitzbrücke aufwerten

Die Pläne des Architekturbüros KSP Jürgen Engel sehen eine Gesamtfläche von 51.000 Quadratmetern vor. Knapp 20.000 Quadratmeter dieser Fläche sollen in dem 18 Stockwerke hohen Turm untergebracht werden. Dieser könnte künftig Büros und Gewerbe, aber womöglich auch ein Hotel beherbergen. In der Passage sind Cafés und Einkaufsmöglichkeiten geplant.

Hintergedanke des Projekts sei, wie es im Baukollegium hieß, eine Aufwertung des Standortes Jannowitzbrücke zu erreichen. Das Quartier mit der touristisch viel genutzten Schiffsanlegestelle sei zwar prominent, habe sein Potenzial als „markanter Brückenkopf“ aber nicht ausgeschöpft.

In einem weiteren Sitzungspunkt ging es um den Feinschliff an dem geplanten Hochhaus in der Tamara-Danz-Straße an der Mercedes Benz-Arena. Wie berichtet, soll der Online-Händler Zalando in das 90 Meter hohe Gebäude einziehen. Besprochen wurde die Gestaltung des Sockels, für den sich das Baukollegium eine veränderte Fassade wünscht.