City-West Berlin: Hotel Zoo Berlin feiert Wiedereröffnung

Berlin - Nach einer zweijährigen Renovierungsphase feiert heute Abend das Hotel Zoo Berlin seine glanzvolle Wiedereröffnung. 1000 Gäste sind geladen, darunter natürlich wie sich das gehört für einen solchen Anlass auch Prominenz. Wie Romy Schneider oder Gina Lollobrigida, die hier anlässlich der Filmfestspiele residierten, werden sie über einen 22 Meter langen Laufsteg schreiten.

Catwalk im wahrsten Sinne, denn die Designerin Diane von Fürstenberg, die den Teppich entworfen hat, wählte Leoparden auf der Pirsch als Motiv. Der smaragdgrüne Teppich führt die Gäste geradezu in die sieben Meter hohe Empfangshalle mit ebenso hohen Fenstern und Backsteinmauern – alles ist jetzt sehr schick, wirkt gar clean.

Wer das Hotel Zoo Berlin noch von früher kennt, wird sich verwundert die Augen reiben. Manfred Weingärtner, der sich als „Managing Owner“ vorstellt, lehnt lässig an der Rezeption. Der Anzug sitzt perfekt, das sorgfältig frisierte Haar sowieso. Ein West-Berliner Original, das sein Alter diskret verschweigt.

Absinth floss reichlich

2005 hat Weingärtner das Hotel zusammen mit seinem Partner Robert Hübner erworben. Dass es seine besten Zeiten längst hinter sich hatte, wusste er schon beim Kauf. Er erzählt, dass das Gebäude zuletzt in den 50er Jahren renoviert worden ist. Wie damals üblich, wurden überall in den Zimmern Zwischendecken eingezogen. Die ließ der neue Besitzer alle entfernen.

Das Haus wurde komplett entkernt. Nur die klassische Fassade mit den markanten Dreiecksgiebeln blieb stehen. Als schließlich hinter Tapetenschichten und Brandschutzmaterial die 3,80 Meter hohen Zimmerwände zum Vorschein kamen, konnte es der Hotelier nicht fassen. „Es war, als hätte wir die Seele freigelegt“, sagt er. Endlich konnte das Haus wieder atmen.

Architekt Alfred Messel, der auch das Wertheim-Kaufhaus an der Leipziger Straße entworfen hat, baute das Haus im Gründerzeitstil als Privatresidenz für eine wohlhabende Familie. 1891 wurde es fertiggestellt. Zum Hotel umfunktioniert hat es 1911 das Ehepaar Köhler. Schon in den 20er Jahren gingen dort Ufa-Stars ein und aus, die feste waren rauschend, es wurde Charleston getanzt, Absinth floss reichlich, zu den Stammgästen gehörte Marlene Dietrich. Als kurze Zeit später der Krieg begann, flüchtete die Familie Köhler in den Keller des Hotels. Wie durch ein Wunder blieb das Haus nahezu unversehrt.

1949, als Berlin in Schutt und Asche lag, verhandelte hier Ludwig Erhard die Einführung der D-Mark mit den Alliierten. In den 50er- und 60er Jahren war das ehemalige „Hotel am Zoo“ – das „am“ wurde 2006 entfernt – das erste Haus am Platz bei den Filmfestspielen der Berlinale.

Von klassischen Formen inspiriert

Von diesem Ruhm vergangener Tage zehrte das Hotel auch noch 2005, als Manfred Weingärtner es übernahm. Ebenso wie der Boulevard, auf dem es sich befindet. „Der Ku’damm war tot“, sagt Weingärtner. Fast jedes zweite Geschäft war verwaist oder mit unbedeutendem Einzelhandel belegt. Keiner glaubte mehr so recht an die Einkaufsmeile, die das Herz West-Berlins war und ist. Doch der gebürtige Franke Weingärtner, der in einem Dorf in der Nähe von Würzburg aufwuchs und mit 17 Jahren nach München zog, ließ nicht locker. „Es konnte nicht sein, dass eine Straße, deren Name weltbekannt ist, einfach untergeht.“

Er sollte recht behalten – Heute floriert die City West. Wie damals, als Weingärtner 1976 zum Studieren in die Mauerstadt kam. „Es war eine tolle Zeit“, schwärmt er und erzählt von seinen Nächten mit Romy Haag und der Selbach-Clique in heute legendären Clubs wie dem Dschungel. Und trotzdem fand Weingärtner Zeit für die Karriere Er studierte BWL und Jura, eröffnete in der Fasanenstraße eine Anwaltskanzlei und landete schließlich im Zuge des Baubooms in den 80er Jahren in der Immobilienbranche. „Da war es nur eine Frage der Zeit, bis ein Hotel dazu kommen würde“, sagt er und lacht.

2000 bei der Eröffnung des W Hotels in Los Angeles lernte er seine spätere Architektin kennen: die Amerikanerin Dayna Lee. Für das W Hotel hatte sie die Lobby designt. „Dieser Stil, diese Wärme, dieses Licht.“ Wieder kommt Weingärtner ins Schwärmen. Als ehemalige Requisiteurin in Hollywood verstehe sie es wie keine Zweite, Geschichten zu erzählen. Bei der Umgestaltung des Hotel Zoo Berlin stellte sie sich die Frage, wie wohl das Leben der Familie, die hier zur Jahrhundertwende wohnte, ausgesehen hat. Es musste ein luxuriöses Leben gewesen sein, das sie versuchte, in die Gegenwart zu adaptieren.

Es ist gelungen. Alle 130 Zimmer und 15 Suiten, die Lee individuell eingerichtet hat, basieren auf klassische Formen. Oft werden dabei die 20er- und 30er Jahre zitiert, die die Architektin teils radikal mit modernen Elementen bricht. Offenbar hatte sie eine fast anarchistische Freude daran, sich mit Farben und Mustern auszutoben. Das Ergebnis ist, dass das neue Hotel Zoo Berlin hat den Sprung in die Jetztzeit geschafft hat, ohne seine Vergangenheit zu vergessen. Beim Gemälde, das groß in der Lobby hängt, wird dies besonders deutlich. Lees Ehemann Ted Berner hat es gemalt. Es zeigt eine junge Frau im Bademantel. Dahinter steht der Alte Fritz.