Das Gerücht gab es seit Langem. Doch offizielle Bestätigungen waren nicht zu bekommen. Am Donnerstag hat Friedemann Keßler von der Deutschen Bahn (DB) den Spekulationen ein Ende gemacht. Jetzt steht fest: McDonald’s zieht in ein prominentes Gebäude in der City West, um auch dort Hamburger und Pommes frites zu verkaufen. „McDonald’s wird unser Mieter in den Terrassen am Zoo, dem Restaurant im ersten Stock des Bahnhofs Zoologischer Garten“, sagte Keßler.

In dem Vorbau, der die Bahnhofsfront am Hardenbergplatz seit 1957 prägt, sollen im Frühjahr oder Sommer 2016 die Fritteusen angeworfen und erstmals Hackfleischscheiben auf Grills gelegt werden. „Im Winter wollen wir die Flächen dem Mieter übergeben, damit er sie ausbauen kann“, so der Bahn-Manager. Der Vertrag gilt für zehn Jahre.

Balkon am Hardenbergplatz

Natürlich weiß Keßler, dass die US-amerikanische Kette nicht nur Fans hat. Jahrelang hatten Planer und Politiker gefordert, dass sich auch die DB an der Aufwertung der City West beteiligt, nachdem das Bahnhofsgebäude in den vergangene Jahren immer schäbiger geworden war. Inzwischen ist gegenüber das Edel-Hotel Waldorf Astoria entstanden, das einstige Botag-Haus (Beate Uhse, Holst am Zoo) wird durch einen Neubau ersetzt – doch in den Bahnhof Zoo zieht nur ein Imbiss ein?

Die Zoo-Terrassen seien nun mal eine „Spezial-Immobilie“, für die man einen speziellen Mieter benötige, sagte Keßler. Einen Mieter, der genug Wirtschaftskraft und Stabilität besitzt, um sie betreiben zu können – ohne bald das Handtuch zu werfen. „Das kann nicht jeder.“

Warum ist diese Charlottenburger 1000-Quadratmeter-Immobilie so speziell? Zum einen liege sie im ersten Stock, erklärte Keßler – nicht direkt an den Besucherströmen. Zum anderen habe sie eine ungewöhnliche Form, die wirtschaftliche Nutzungen erschwere: „Sie ist sehr schmal und lang, hundert Meter.“

Die Bahn wolle aber nicht, dass die Fläche geteilt wird, obwohl dies die Vermarktung erleichtern würde. Ihr sitzt der Denkmalschutz im Nacken, der darauf besteht, dass der Vorbau künftig wieder so aussieht wie früher: transparent und leicht wirkend, mit Stahl und Glas. „Die Stützen werden wie früher taubenblau gestrichen, die Glasflächen der Fenster beige eingefasst“, berichtete Thorsten Schulz von DB Netze.

Und so entsteht in der „Spezial-Immobilie“ ein spezielles Hamburger-Restaurant – in dem man seine Chicken-Nuggets auch draußen verzehren kann. Wie angekündigt, wird der Südteil der Terrassen geöffnet, so dass ein hundert Quadratmeter großer Balkon entsteht. Auch dies gab es während der Anfangszeit. Alte Fotos zeigen Sonnenschirme und elegante Leuchten.

Doch mit den Jahren wurde das Restaurant immer schäbiger. Bis zu 600 Gäste konnten auf rustikalen Holzstühlen Platz nehmen, um sich mit Schweinshaxe, Currywurst und Bier zu verpflegen. Aber immer weniger wollten sich die trostlose Atmosphäre zumuten. Am 30. November 2006 schloss der Mitropa-Nachfolger SSP Deutschland das Restaurant für immer. Seither stand es leer.

Legendärer Buchladen musste weg

Mitte 2016 soll die zweite Etappe des Bahnhofsumbaus beginnen, bekräftigte Keßler. Der Mitteilteil des Erdgeschosses wird umgebaut, ein neuer Durchgang in Längsrichtung gebaut. Das Reisezentrum, in dem es Tickets gibt, wird verlegt und von 400 auf 250 Quadratmeter verkleinert. Im Erdgeschoss wird es nichts Spezielles geben – stattdessen einen Drogeriemarkt und andere Läden, wie es sie in vielen Bahnhöfen gibt.

Der Bahnhof Zoo wird normal. Dabei war er zu Mauerzeiten etwas Besonderes, lange war er der einzige Fernbahnhof West-Berlins. Und er hatte auch spezielle Läden. Legendär war die Heinrich-Heine-Buchhandlung, ein mit Raritäten und aufmüpfiger Literatur vollgestopftes Kulturlabyrinth. Der Dramatiker Heiner Müller hatte versprochen, eine Lok zu küssen, damit der Laden bleibt. Am 16. Dezember 1994 musste die Buchhandlung trotzdem schließen, nach 49 Jahren. Sie passte der Bahn nicht ins Konzept.