Im Gerichtssaal: Arafat Abou-Chaker mit Botschaft auf der Jacke. 
Foto: Olaf Wagner

BerlinEr kommt spät, vermutlich weil er durch die Sicherheitsschleuse des Kriminalgerichts Moabit musste, vor der sich immer lange Schlangen bilden. Weil die Taschen kontrolliert werden und jeder durch einen Metallscanner laufen muss, wie auf einem Flughafen. Der Mann kommt in Begleitung seiner beiden Anwälte. Kameraleute warten auf ihn vor der geschlossenen Sicherheitstür, die zum Gerichtssaal führt.

Der Mann ist Arafat Abou Chaker, der Chef eines bekannten arabischstämmigen Clans. In der Öffentlichkeit machte er sich auch als einstiger Freund und Geschäftspartner des Rappers Bushido einen Namen. Es ist eine Freundschaft, die es schon lange nicht mehr gibt, die offenbar in herzliche Feindschaft umgeschlagen ist. Es ist eine Beziehung, die demnächst auch vor Gericht eine Rolle spielen könnte.

Das könnte Sie auch interessieren: Rapper Capital Bra wird offenbar von Clans erpresst

Aber an diesem Freitag geht es nicht um Bushido, es geht um ein Verfahren gegen den 43-jährigen Abou Chaker wegen Bedrohung und Körperverletzung. Mutmaßliches Opfer des Clanchefs ist ein Hausmeister. Es ist ein Berufungsverfahren, der zweite Prozess gegen Arafat Abou Chaker zu diesen Vorwürfen.

„Warum begrüßt mich niemand?“

Vor etwa einem Jahr war der Angeklagte vom Amtsgericht Tiergarten zu einer Haftstrafe von zehn Monaten verurteilt worden – ausgesetzt zur Bewährung. Erstmals erging damit ein Urteil gegen den Clanchef.

Doch Arafat Abou Chaker legte Berufung ein. Nun wird der Fall noch einmal aufgerollt. Und da Abou Chaker gegen das Urteil vorgegangen ist, darf er wegen des Verbots der „Schlechterstellung“ nicht zu einer höheren Strafe verurteilt werden.

Im März 2018 soll Arafat Abou Chaker das Foyer eines Geschäftshauses in Charlottenburg betreten haben und einen Hausmeister mit den Worten angepöbelt haben: „Was ist los in Deutschland, warum begrüßt mich niemand?“ Der anwesende Hausmeister soll gegrüßt und Abou Chaker aufgefordert haben, weiterzugehen.

Es kam zum Streit zwischen beiden, schließlich soll Abou Chaker dem Hauswart zwei Finger in die Augen gerammt und ihm mit einem Kopfstoß die Nase gebrochen haben.

Abou Chaker schweigt an diesem ersten Verhandlungstag zu den Vorwürfen. Der russischstämmige Hausmeister, der als erster Zeuge aussagt, gibt an, von Abou Chaker beschimpft und geschlagen worden zu sein. Schließlich habe sich der Streit in die Praxis der Physiotherapie verlagert. Allerdings wird die Befragung des Hauswarts auf Anregung der Anwälte von Abou Chaker wegen der schlechten Verständlichkeit des Zeugen unterbrochen. Sie soll am nächsten Prozesstag mit einem Dolmetscher weitergeführt werden.

Der damalige Physiotherapeut, der den Streit schlichten wollte, kann sich nunmehr kaum erinnern. Noch bei der Polizei hatte er zwar angegeben, er habe den Eindruck gehabt, Abou Chaker habe provozieren wollen. Und Schläge durch den Hausmeister habe er nicht bemerkt. Im Prozess kann er sich daran nicht mehr entsinnen. Im Gegenteil, er spricht davon, dass es mit dem Hausmeister „immer wieder ein kleines Problem gegeben“, habe. Der 48-Jährige, der mittlerweile die Praxis nicht mehr betreibt, hat einen Anwalt als Zeugenbeistand zur Seite. Es läuft ein Verfahren gegen ihn, bei dem es nach eigenen Worten zu Spannungen mit Abou Chaker gekommen sei.

Anklage im Fall Bushido

Auf den Clanchef wartet indes neues Unheil. Vor einem Jahr, nach Verkündung des ersten Urteils in diesem Verfahren, war Abou Chaker noch im Gerichtssaal festgenommen worden. 16 Nächte musste er im Gefängnis verbringen. Hintergrund waren mutmaßliche Taten zum Nachteil des Rappers Bushido, wie die Staatsanwaltschaft damals bekanntgab.

Arafat Abou Chaker soll demnach im Dezember 2017 versucht haben, von Bushido eine Abfindung für langjährige Geschäftsbeziehung zu erpressen. Dabei soll der Musiker eingesperrt worden sein. Es geht um versuchte schwere räuberische Erpressung, gefährliche Körperverletzung, Freiheitsberaubung und Beleidigung.

Die Staatsanwaltschaft hat deswegen mittlerweile Anklage erhoben gegen Arafat Abou Chaker und drei seiner Brüder. Einen Termin für den Prozess gibt es noch nicht, heißt es.