Berlin - Die Berliner Sicherheitsbehörden setzen ihren Kampf gegen kriminelle Machenschaften von Mitgliedern arabischer Groß-Familien mit Hochdruck fort. Am Montagmorgen rückten Staatsanwaltschaft und Landeskriminalamt gemeinsam aus und vollstreckten "62 richterliche Beschlüsse zur Beschlagnahme von Mieteinnahmen", wie Mona Lorenz von der Staatsanwaltschaft dieser Zeitung sagte.

Hintergrund ist ein unter anderem wegen Geldwäsche geführtes Ermittlungsverfahren gegen Mitglieder der Familie R. Dabei wurden im Juli 2018 insgesamt 77 Immobilien im Wert von rund 9 Millionen Euro beschlagnahmt. "Mit den Beschlagnahmebeschlüssen sollen die mutmaßlich kriminellen Gewinne aus insgesamt 45 Mietobjekten gesichert werden", so Lorenz weiter. Dabei gehe es um über 100 Mietverhältnisse. 

Mindestens 350.00 Euro beschlagnahmt

Wie hoch die Summe der beschlagnahmten Mietzahlungen ist, ist unklar. Der Grund: Zunächst muss nun akribisch erfasst und ausgewertet werden, wann, wie lange, in welcher Höhe und in welcher Weise die einzelnen Mietzahlungen geleistet wurden.  Allerdings beläuft sich allein die Summe einzelner Mieten der letzten Monate, die nicht direkt an die Vermieter, sondern an von ihnen beauftragte Wohnungsverwaltungen gezahlt wurden, auf "eine Summe von über 350.000 Euro", so Mona Lorenz weiter. 

Die Gewerkschaft der Polizei (GdP) sagte, die heutigen Durchsuchungsmaßnahmen würden "zeigen, dass die Berliner Behörden nachhaltig daran arbeiten, organisierte Kriminalität erfolgreich zu bekämpfen", so der Berliner GdP-Chef Norbert Cioma. Das Sammeln von Beweismaterial sei "für eine mögliche Anklageerhebung und Verurteilung unersetzlich". 

Rechtsstreit über Beschlagnahmung

Allerdings ist noch nicht klar, inwieweit sowohl die aktuellen Beschlagnahmungen von Mieteinnahmen als auch die Beschlagnahmung der eigentlichen Immobilien im Sommer 2018 vor Gericht überhaupt Bestand haben werden. Nach Informationen dieser Zeitung hat die Familie R. Rechtsmittel eingelegt, über die vor Gericht noch nicht abschließend entschieden wurde. Cioma sagte, es wäre "der worst case", wenn die Familie die Immobilien "am Ende zurückbekommen" würden. Um das zu verhindern, müsse "noch einiges an Weg zurückgelegt werden".  

Nach der Groß-Razzia im Juli 2018, die Voraussetzung für die jetzt erfolgten Beschlagnahmungen ist, hatte sich auch Issa R., der als Oberhaupt des betroffenen Clans gilt, zu Wort gemeldet.  „Natürlich gibt es Leute in der großen Familie R., die sehr viel Geld haben. Sehr sehr viel Geld“, sagt er im Gespräch mit dieser Zeitung. Wo diese Leute das Geld herhaben, wisse er aber nicht. Es interessiere ihn auch nicht. Er wisse nur, dass er "kein Geld bekomme von Leuten, die mit Drogen handeln oder einbrechen.“ Zugleich kündigte der Mann an, er werde nicht länger hinnehmen, was alles über ihn erzählt wird. „Ich werde mich wehren. Bis zum obersten Berliner Gericht gehe ich“.