Clan-Kriminalität in Berlin: Oberstaatsanwalt Ralph Knispel sieht Kapitulation des Rechtsstaats

Berlin - „Ich kenne Sie!“ Der Satz, mit dem Issa R. am Mittwoch gegen den Oberstaatsanwalt Ralph Knispel wetterte, klang durchaus bedrohlich. Dabei hätte Issa R., Chef eines polizeibekannten arabischen Clans, durchaus ohne den im Landgericht Berlin von ihm angezettelten Tumult zufrieden nach Hause gehen können. War doch sein 21-jähriger Spross Ismail R. gerade vom Vorwurf des Mordes an einem Mitglied einer anderen Großfamilie freigesprochen worden.

Knispel, 58, leitet die Abteilung Kapitalverbrechen der Berliner Staatsanwaltschaft. Er ist mittlerweile deutschlandweit ein bekannter Vertreter des Rechts. Als Chef der Vereinigung der Berliner Staatsanwälte meldete er sich mehrfach zu Wort: als Mahner, der durch den gravierenden Personalmangel an deutschen und vor allem Berliner Gerichten den Rechtsstaat in Gefahr sieht.

Mutmaßliche Straftäter müssten immer häufiger aus der Untersuchungshaft entlassen werden, weil Gerichte überlastet seien und Fristen nicht einhalten könnten, sagte er auch der Berliner Zeitung.

Vor zwei Wochen erst sprach Knispel in der Talkshow „Markus Lanz“ von einer Kapitulation des Rechtsstaats vor der Übermacht der Kriminalität. Das Vertrauen der Bevölkerung in die Justiz sei immens gesunken.

Oberstaatsanwalt Ralph Knispel ärgerte sich nicht über Drohung von Clan-Chef

Ralph Knispel ist seit 28 Jahren bei der Staatsanwaltschaft, er rühmt sich eines guten Gedächtnisses. So, wie es Elefanten haben – seine Lieblingstiere, mit denen er sich gerne vergleicht. Die aber nach seinen Worten auch richtig sauer werden könnten, so man sie ärgere.

Geärgert hat sich Knispel nicht über die Drohung von Issa R. „Das gehört ein Stück zum Berufsalltag eines Staatsanwalts“, kommentierte er die Worte des Clanchefs. Am Donnerstag hat der Oberstaatsanwalt Revision gegen den Freispruch eingelegt. Er wolle, so er das schriftliche Urteil habe, die Begründung genau studieren, sagte Knispel. Erst dann werde entschieden, ob der Fall vom Bundesgerichtshof überprüft werden solle.

Bleibt es beim Freispruch, dann steht Ismail R., der seit Oktober 2017 in Untersuchungshaft saß, eine Haftentschädigung zu. Rund 16.000 Euro.