Polizisten durchsuchen das Wageninnere des Autos, mit dem die Insassen der Polizei sich eine Verfolgungsjagd lieferten.
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Berlin-NeuköllnPlanten sie ihr nächstes großes Ding? Als die Polizei in der Nacht zu Sonnabend in Neukölln ein Auto mit vier Insassen stoppen wollte, gab der Fahrer Gas. Was folgte, war eine wilde Verfolgungsjagd, die vier zum Teil stark beschädigte Autos zur Folge hatte. Und höchstwahrscheinlich mit dabei: wieder ein krimineller arabischer Clan.

Gegen 22 Uhr sah eine Polizeistreife, wie ein Skoda Fabia, zugelassen auf dem  Landkreis Rotenburg (Wümme), mehrere rote Ampeln ignorierte. Als die Polizisten Anhaltesignale gaben, Blaulicht und Martinshorn einschalteten, gab der Fahrer des vollbesetzten Skoda aber Vollgas. Der Streifenwagen fuhr hinterher. Sogar am verkehrsberuhigten Planufer in Kreuzberg, wo Schrittgeschwindigkeit gilt, sei der Skoda Fabia mit mindestens 80 Kilometern pro Stunde entlanggerast, erinnern sich Zeugen. Nach ihren Aussagen mussten Radfahrer und Fußgänger beiseite springen, um nicht von dem Auto erfasst zu werden.

Ein Smartphone war in Alufolie eingewickelt

Am Planufer, Ecke Graefestraße verlor der Fahrer aber die Kontrolle über den Kombi und krachte gegen einen geparkten Transporter. Dieser wurde auf ein dahinter geparktes Auto geschoben, das ebenfalls erheblich beschädigt wurde. Das vollbesetzte Auto schleuderte dann noch gegen ein anderes geparktes Fahrzeug und kam letztendlich zum Stillstand.  Plötzlich öffneten sich vier Türen, und die vier Insassen des Skoda rannten davon.

Ein Smartphone, eingewickelt in Silberfolie - damit es nicht geortet werden kann.
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„Die Insassen sind flüchtig, niemand wurde festgenommen“, sagte ein Mitarbeiter des Lagedienstes der Polizei am Sonnabend. Als die Beamten das Auto durchsuchten, fanden sie Sturmhauben, Cuttermesser, USB-Sticks, SIM-Karten und Smartphones. Ein iPhone war in Alufolie eingewickelt. Das macht ein Tracking durch Sicherheitsbehörden unmöglich. Sollte eine bereits geschehene oder erst geplante Straftat verschleiert werden? Die Polizei äußerte sich dazu noch nicht.

Sichergestellt wurden auch sogenannte Polenböller. Die fünf in Folie verpackten Knaller enthalten jeweils zwei Gramm Sprengstoff. Wegen ihrer hohen Sprengkraft sind sie in Deutschland verboten, in Polen jedoch frei verkäuflich. Diese Böller können Körperteile abreißen, Autos und Briefkästen zerstören. Im Skoda fanden die Beamten Unterlagen und Kontoauszüge eines Mitglieds eines bekannten Berliner Clans, dessen Mitglieder seit Jahren durch zahlreiche Straftaten auffallen.

Clan-Mitglied bereits wegen Drogenhandels bekannt

Der 29-Jährige wohnt nach Informationen der Berliner Zeitung gleich um die Ecke, in der Graefestraße. Immer wieder ermittelte die Polizei in der Vergangenheit gegen ihn. So wurden zum Beispiel bei ihm und anderen Familienmitgliedern im August 2018 die Wohnungen wegen bandenmäßigen Drogenhandels durchsucht. Mehrere Clanmitglieder kamen damals in Untersuchungshaft.

Den Skoda ließ die Polizei abschleppen und für weitere Untersuchungen sicherstellen.
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Bei der jüngsten Crash-Fahrt saß der 29-Jährige  nach Angaben von Polizisten am Steuer des Skoda.  Das Auto war im Kreis Rotenburg vermutlich erworben, aber nie umgemeldet worden. Warum die Insassen vor der Polizei flüchteten, ist laut Lagedienst unklar. Das Auto sei abgeschleppt und sichergestellt worden. Die Polizei leitete unter anderem Ermittlungen wegen Verstoßes gegen das Sprengstoffgesetz ein.