Eine überraschende Personalentscheidung machte Integrationssenatorin Elke Breitenbach (Linke) rechtzeitig zum Tag der Arbeit öffentlich: Nach weniger als zwei Jahren räumt die Präsidentin des Landesamtes für Flüchtlingsangelegenheiten (LAF), Claudia Langeheine, ihren Posten.

Sie habe sich im Einvernehmen mit Sozialsenatorin Elke Breitenbach (Linke) zu diesem Schritt entschieden, teilte die Senatsverwaltung am Montag mit. Grund seien unterschiedliche Vorstellungen über die Weiterentwicklung der Behörde. Zu Details äußerte sich die Verwaltung nicht. Kommissarisch soll zunächst Integrationsstaatssekretär Daniel Tietze das Amt leiten.

Breitenbach bedankte sich „ausdrücklich“ bei Langeheine, die mit außerordentlich hohem Engagement Verantwortung im Flüchtlingsmanagement in einer besonders schwierigen Zeit übernommen und Berlins jüngste Behörde mit geplant und aufgebaut habe. Unter ihrer Leitung seien die meisten Notunterkünfte in Berlin geschlossen worden. Es seien neue Standorte an das Netz gebracht und die medizinische Versorgung der Geflüchteten gestärkt worden.

Das LAF hatte seine Arbeit am 1. August 2016 aufgenommen und das in der Flüchtlingskrise überforderte Landesamt für Gesundheit und Soziales (Lageso) abgelöst. Das auf mehrere Standorte verteilte LAF kümmert sich um alle Fragen der Registrierung, Versorgung und Unterbringung von Flüchtlingen.

Vertrag von Claudia Langeheine zunächst befristet

In der Verwaltung ist es ein offenes Geheimnis, dass Breitenbach und die Juristin Langeheine nicht miteinander harmonierten. Die Spitzenbeamtin war noch vom früheren Sozialsenator Mario Czaja (CDU) ernannt worden. Der Vertrag von Claudia Langeheine war dem Vernehmen nach zunächst auf zwei Jahre befristet, er lief also Ende Juli aus. Danach wäre es ungleich schwieriger geworden, sie von dem Präsidenten-Posten zu entbinden. Auch deshalb kam es wohl ausgerechnet jetzt zu dieser Personalentscheidung.

Zudem könnte es Spannungen wegen eines möglichen Stellenabbaus beim LAF gegeben haben. Senatorin Breitenbach hatte bereits vor gut einem Jahr eine Modellrechnung erstellen lassen, inwiefern dorthin abgeordnete Landesbedienstete wieder versetzt werden könnten. Dem neuen LAF-Chef kommt nun auch die Aufgabe zu, die 25 neuen modularen Flüchtlingsunterkünfte in allen Bezirken zu etablieren. Vielerorts gibt es bereits Anwohnerproteste. (mit dpa)