Berlin - Bruno Ginnuth kann seinen Ärger nicht verbergen. „Uns wird es sehr schwer gemacht“, sagt der Mitgründer und Geschäftsführer von Clever Shuttle aus Berlin. „Es ist absurd, was wir für einen Aufwand treiben müssen, um ein innovatives Konzept auf die Straße zu bringen.“ Das junge Unternehmen will die Zahl der Elektroautos, mit denen es Fahrgäste in Berlin befördert, von zehn auf 30 verdreifachen. Doch die Genehmigung lässt auf sich warten.

„Günstig, grün, gemeinsam“: Mit diesem Slogan bemüht sich der Fahrdienst seit dem vergangenen September auch in Berlin um Kunden. Ride Sharing heißt das Konzept, das an Sammeltaxis erinnert. Es bedeutet: Die Fahrgäste müssen damit rechnen, dass sie sich mit anderen ein Fahrzeug teilen müssen. Dafür liegen die Tarife laut Werbung deutlich unter den Taxifahrpreisen – die Rede ist von 40 bis 50 Prozent.

Innerhalb des S-Bahn-Rings ist jeder Startpunkt und jedes Ziel möglich, gefahren wird bis zu 20 Stunden am Tag. Bestellt wird per App. Ein Computer stellt die Touren zusammen, die von professionellen Chauffeuren mit Fahrzeugen vom Typ Nissan Leaf abgefahren werden. Ökostrom treibt die Wagen an.

Taxibranche äußert sich kritisch

„Wir wachsen von Monat zu Monat“, so Ginnuth. Mit den grünweißen Autos von Clever Shuttle, die durch Berlin, Leipzig und München kurven, wurden bereits 115 000 Fahrten absolviert. Dadurch blieben der Umwelt 80 Tonnen klimaschädliches Kohlendioxid erspart, hieß es. Weil die Nachfrage steigt, sind Clever-Shuttle-Fahrgäste öfter gemeinsam unterwegs. Mittlerweile beträgt der Anteil rund 30 Prozent.

„Wir verzeichnen immer weniger freie Plätze“, freute sich der 33-Jährige. Die meisten Kunden finden Gruppenfahrten nicht nervig, sondern gut. „Bei uns geht es weniger anonym zu als sonst im Nahverkehr. Wir hören von vielen guten Gesprächen während der Fahrt.“ Allerdings kommt es nun vor, dass Fahrgäste länger als ihnen lieb ist warten müssen – weil es nicht genug Autos gibt. Darum will das Unternehmen, das mittlerweile rund 120 Arbeitsplätze hat, expandieren. Doch das lässt sich langwieriger an als erwartet.

Vor mehr als fünf Wochen hat die GHT Mobility den Antrag beim Landesamt für Bürger- und Ordnungsangelegenheiten eingereicht. Er hat rund 120 Seiten – schließlich betrifft er eine komplizierte Materie, das Personenbeförderungsgesetz. Die Genehmigung zur Erprobung neuer Verkehrsarten, die das Unternehmen in Berlin bereits besitzt und die bis August 2018 gilt, soll erweitert werden. Die Zahl der Elektroautos soll auf 30 steigen. Das Betriebsgebiet soll ebenfalls verdreifacht werden. Es soll vor allem im Südwesten wachsen, etwa in Mariendorf, Tempelhof, Grunewald und Westend.

Mit jeder Clever-Shuttle-Fahrt können bis zu sechs Privatautofahrten ersetzt werden. Damit trage Clever Shuttle dazu bei, dass Stadtbewohner keinen eigenen Pkw mehr brauchen, sagte Ginnuth. Das ist ein Ziel, das der Senat teilt. Trotzdem habe man das Gefühl, das ihnen Steine in den Weg gelegt werden. Es sei nicht absehbar, wenn die Behörde den Bescheid sendet, hieß es.

„Die Prüfung beim Landesamt ist noch nicht abgeschlossen“, bestätigte Dorothee Winden, Sprecherin der Verkehrssenatorin Regine Günther (parteilos, für Grüne). „Die Behörde arbeitet korrekt“, lobte Detlev Freutel vom Taxi Verband Berlin, Brandenburg (TVB). So sei ein Anhörungsverfahren nötig. Dabei haben sich der TVB und Taxi Deutschland kritisch geäußert.

Auch die BVG möchte expandieren

Clever Shuttle reduziere den Verkehr nicht, es würden noch mehr Autos auf die Straßen gebracht, sagte Freutel. „Unsere Branche, die in Berlin jährlich rund 40 Millionen Fahrgäste befördert, hat keine Angst vor neuen Verkehrsarten.“ Doch mit der BVG, der S-Bahn, Car Sharing und Mieträdern gebe es bereits ein vielfältiges Mobilitätsangebot, das Anreize setzt, auf private Autos zu verzichten. Wichtiger als der Einsatz weiterer Fahrzeuge sei es, vorhandene Angebote besser auszulasten.

Aber auch die BVG will ihre Flotte vergrößern. Kleine Rufbusse, die per App angefordert werden können, sollen in der Innenstadt das Bus- und Bahnangebot ergänzen. Die Routen orientieren sich an den Verläufen von BVG-Linien. Einzelheiten des Digitalisierungsprojekts sollen im Sommer vorgestellt werden.