Noch ist es nur ein Pflänzchen im Berliner Verkehrsdschungel. Doch es soll kräftig wachsen. Das junge Unternehmen Clever Shuttle will die Zahl der Autos, mit denen es Fahrgäste befördert, verdreifachen. Vom Sommer an sollen 30 Elektrofahrzeuge, die wie Sammeltaxis funktionieren, abends und nachts im Zentrum unterwegs sein. „Das haben wir beim Landesamt für Bürger- und Ordnungsangelegenheiten beantragt“, sagte Bruno Ginnuth, Mitgründer und Geschäftsführer von Clever Shuttle, am Mittwoch.

Seit dem vergangenen September kann man bei dem Schöneberger Unternehmen Fahrten buchen, ausschließlich per App und nur innerhalb des S-Bahn-Rings. In diesem Gebiet ist jeder Startpunkt und jedes Ziel möglich – wie im Taxi. Allerdings seien die Touren rund 40 Prozent billiger als im Taxi, wirbt Clever Shuttle. Dafür müssen die Fahrgäste damit rechnen, dass sie sich in den lautlosen Elektroautos vom Typ Nissan Leaf die Rückbank mit anderen teilen müssen.

Fünf Cent pro Kilometer

Ziel ist es, dass Fahrgäste mit ähnlichen Zielen gemeinsam Autos nutzen. Das soll Kosten sparen. Ein Computerprogramm stellt die gebuchten Routen zusammen, die von professionellen Chauffeuren abgefahren werden. Das Prinzip heißt Ride Sharing. Anfangs gelang es nur selten, genug Fahrgäste für eine gemeinschaftliche Beförderung zusammen zu bekommen. Inzwischen hat der Taxi-Konkurrent die Zahl der Kunden aber gesteigert.

Mittlerweile haben sich rund 19 000 Menschen bei Clever Shuttle registriert, sagte Ginnuth. „Im April lag der Anteil der Fahrten, bei denen sich mehrere Fahrgäste jeweils ein Auto teilten, bei einem Drittel.“ In Leipzig, München und Berlin ist das Unternehmen, das von der Deutschen Bahn unterstützt wird, schon präsent. Nun expandiert es in fünf weitere Städte, teilte Ginnuth mit. Den Anfang machen im Sommer Hamburg und Frankfurt am Main.

„Das Interesse wird immer größer“, sagte er. Anfangs sei man auf Skepsis gestoßen. Ein Fahrdienst, der einem Sammeltaxi ähnelt, passt nicht in die deutsche Rechtsordnung. Normalerweise dürfen Plätze in einem Auto nicht einzeln „verkauft“ werden. Daher sind stets Ausnahmegenehmigungen erforderlich – was je nach Stadt unterschiedlich schwierig ist. „Ohne Anwalt geht es nicht“, sagte Ginnuth.

In Berlin gibt es einen weiteren Fahrdienst dieser Art: Allygator Shuttle. Er wirbt damit, dass ein Kilometer nur fünf Cent kostet. Wie berichtet wollen auch die Berliner Verkehrsbetriebe (BVG) in das Geschäft einsteigen. Das hat BVG-Chefin Sigrid Evelyn Nikutta am Mittwoch bekräftigt. „Es findet eine Mobilitätsrevolution statt, und wir sind mittendrin“, sagte sie während der fünften Hauptstadtkonferenz Elektromobilität im Roten Rathaus. „Wir wollen unser Angebot mit neuen Mobilitätsdiensten ergänzen.“

Uber will erneut mit BVG sprechen

Demnächst werde auch die BVG einen „Pool-Verkehr“ anbieten – eine andere Bezeichnung für Ride Sharing. „Bequem und unabhängig vom Fahrplan, per BVG-App buchbar“, so Nikutta. Dem Vernehmen nach könnte Mercedes-Benz Partner werden. Start soll noch im Sommer sein. Der Senat muss das neue Angebot aber noch genehmigen.

Auch mit dem US-amerikanischen Fahrdienstanbieter Uber hat die BVG gesprochen. „Wir begrüßen, dass innovative Mobilitätskonzepte in Berlin getestet werden“, sagte Christoph Weigler, Deutschland-Chef von Uber. „Wir haben unsere Erfahrungen zum Pooling aus mehr als 30 Städten weltweit mit der BVG geteilt und würden uns freuen, den Austausch zum gegebenen Zeitpunkt weiter fortzusetzen.“