Berlin - Für hauptstadterprobte Clubgänger ist der Lützowplatz an der Grenze von Schöneberg zu Tiergarten Wüste, für Freunde der Bar-Kultur gilt das überhaupt nicht. Das liegt an Harry’s New York Bar im Grand Hotel Esplanade, der Bar am Lützowplatz und an der Trompete, alles Ort des gepflegten Trinkens. Hipster-Kultur geht anders. Dabei war die Trompete im Jahr 2000 mit viel Pomp gestartet. Ben Becker, Lebemann mit Punk-Vergangenheit, wollte einen eleganten Nachtclub mit dem Flair der Zwanziger Jahre etablieren, in dem Schauspieler, Sänger und Maler verkehren. Mit dabei war auch Tresor-Macher Dimitri Hegemann, auf der Suche nach einem erwachsenen, künstlerischen Umfeld für Techno. Mit Bar- und Clubbetrieb an sieben Abenden in der Woche wollten sie das darbende West-Berliner Nachtleben beleben. Dass das nicht gut funktionierte, wurde bald klar.

Becker und Hegemann haben sich schon vor langer Zeit aus dem täglichen Geschäft verabschiedet. Das erledigt Sven Rejzek, Geschäftsführer seit 2003. „Zurzeit steht nur der Donnerstagabend für die Trompete“, sagt Rejzek, der als einziger im Laden einen Kapuzenpulli trägt. „Durch ihn ist der Club zur Institution geworden.“ Und donnerstags ist in der Trompete immer radioeins Afterwork-Lounge, jede Woche, seit der Eröffnung vor zwölf Jahren.

Schon um 22 Uhr ist die Tanzfläche rappelvoll. Entlang der schicken Retro-Bar aus dunklem Holz stehen die Leute dicht an dicht. Drei Typen in karierten Hemden, die leger über die Hose hängen, gucken den Frauen nach. Der Geruch von Aftershave liegt in der Luft. „Das ist schon ein Abschleppladen“, sagt ein Mann mit Dreitagebart, der mit einem Cocktail in der Hand an der Wand lehnt. „Viele Singles hier.“ Aber auch Pärchen und kleine Gruppen von Sekretärinnen und Jungangestellten, die scheinbar wirklich nach der Arbeit hierher gekommen sind. Denn richtig aufgemotzt ist hier niemand. Überhaupt ist das Publikum so unspektakulär, so normal wie in einer netten Kleinstadt: überhaupt nicht szenig und dazu noch wild gemischt von 25 bis 50 Jahre alt. Die meisten Gäste drängen sich auf oder neben der kleinen Tanzfläche. Die edlen schwarzen Ledersofas im Vorraum sind leer. Gespielt werden Hits der 80er und 90er, die Stimmung ist gediegen und flammt bei deutschen Popsongs kurzzeitig auf. Bei Fettes Brots Zeile „Es ist 1996, meine Freundin ist weg und bräunt sich …“, singen alle mit, Arme fliegen in die Luft und die Tanzfläche groovt, als wäre wirklich 1996 und das hier der neueste Hit.

Touristendominiertes Innenstadtnachtleben

„Unser Stammgastanteil ist sehr hoch“, sagt Geschäftsführer Sven Rejzek. „Weil es den Laden schon so lange gibt.“ Auf siebzig Prozent schätzt er ihn. Vor allem West-Berliner. Touristen sind selten. „Der Lützowplatz ist ja eigentlich eine Ungegend.“ Da kommt niemand einfach so vorbei. „Das hat auch Vorteile“, sagt er. Probleme mit der Lautstärke oder Anwohnern kennt er nicht. „Außerdem sind wir verschont von dem spanischen Irrsinn in Kreuzberg.“ Er meint damit die Touristen, die das Nachtleben in der Innenstadt dominieren.