Boot- Party auf dem Landwehrkanal.
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BerlinDer 41-Jährige ist noch immer fassungslos. Seit Monaten sucht Lutz Leichsenring als Vorstandsmitglied der Berliner Clubcommission nach Wegen und Möglichkeiten, die Berliner Clubszene durch die Krise zu führen. Kampagnen wurden gestartet, um das Bewusstsein für die Corona-Gefahr und die Notwendigkeit für ein gesellschaftliches Leben mit Abstand zu schaffen. Dann lieferte am Wochenende eine Kreuzberger Friede-Freude-Eierkuchen-Aktion am Landwehrkanal das Kontrastprogramm zur Vernunft:  3000 Menschen zelebrierten den kollektiven Körperkontakt und Maskenverzicht. „Wir sind alle noch perplex“, sagt Leichsenring. „Das war ein großer Fehler.“

Die Clubcommission, die sich als Vertreter der Berliner Club-, Party- und Kultureventveranstalter versteht, hatte sich unmittelbar nach der Aktion auf und am Landwehrkanal von derselben distanziert. „Bei aller Not, die die Clubkultur in Berlin gerade durchlebt, und bei aller Sehnsucht nach zwanglosem Zusammensein bei Musik und Tanz, stehen auch für uns die Einhaltung der Corona-Regeln und der Kampf gegen die Pandemie an oberster Stelle“, heißt es in einer Erklärung via Twitter.

Tatsächlich war die Clubcommission nicht der Veranstalter. Laut Leichsenring habe man sich auch in keiner Weise an der Vorbereitung beteiligt und nicht einmal in irgendeiner Form auf die Veranstaltung hingewiesen, sagt der Clubcommission-Vorstand. Leichsenring ist sauer. Er sieht die Berliner Clubs und die Menschen, die gern in Clubs gehen, nun „in  Mithaftung genommen“.

Für den gebürtigen Karlsruher sind Clubs wenigstens zeitlich gesehen das halbe Leben. Mit 21 Jahren kam er nach Berlin, entwickelte hier erste Clubveranstaltungen. Inzwischen betreibt Leichsenring eine eigene Veranstaltungsagentur sowie das Beratungsunternehmen Vibelab, das sich mit der „Kulturentwicklung von unten“ in modernen Stadtgesellschaften befasst. Derzeit geht es vor allem darum, wie Clubs als eine der höchsten Konzentrationsformen sozialen Lebens nach Corona aussehen könnten. Städte wie Tokio und New York gehören zu seinen Kunden. Für Leichsenring ist der Spielraum allerdings überschaubar: „In Clubs wird es immer laut und eng sein.“ Wann wieder ein normales Clubleben möglich ist, müssten Wissenschaftler entscheiden, sagt er. Vielleicht muss man dafür erst einen Impfstoff gefunden haben.

Um nach der Kreuzberger Aktion wenigstens zur Schadensbegrenzung beizutragen, bittet die Clubcommission alle Teilnehmer der Demo, ihre sozialen Kontakte in den nächsten 14 Tagen auf ein Minimum einzuschränken. „Insbesondere beim Umgang mit älteren oder kranken Menschen.“