Berlin - Nein, es ist wirklich nicht einfach, in Berlin für die Eröffnung einer Lokalität Aufmerksamkeit zu erzielen. Es gibt zu viele, es eröffnen zu viele und man weiß ja vorher auch gar nicht so genau, welche der oft arg fantasievollen Versprechungen zu Konzept, Philosophie und Interieur tatsächlich eingelöst werden. Auf dem Papier oder in einer Mail sieht nämlich so ziemlich jede ranzige Kellerbutze erst mal wie der große Knall im All aus. Das neue Clubrestaurant mit dem nicht eben große Bescheidenheit signalisierenden Namen „The Grand“ war schon vor der für Donnerstagabend geplanten Eröffnung in aller Munde. Und die Inhaber hätten darauf sicher gern verzichtet. Über sie zerfetzten sich die Bewohner der Berliner Standardgästeliste nämlich seit Wochen wegen eines peinlichen Fehlstarts die Mäuler.

Erste Party abgesagt

Die erste Eröffnungsparty, zu der für den 30. März eingeladen worden war, musste per Rundmail am Tag zuvor abgesagt werden. Die Bauarbeiten in dem unter Denkmalschutz stehenden ehemaligen Schulhaus von 1842 an der Hirtenstraße Nr. 4 in Mitte waren nicht fertig geworden. Vor allem das Fehlen von dicken Glasscheiben, die als Geländer im Obergeschoss des Restaurants dienen sollten, stellte ein Sicherheitsproblem dar. Nicht auszudenken, wenn ein Eröffnungsgast champagnertrunken abgestürzt wäre.

Um ihren Ausladungen ein wenig die Unfreundlichkeit zu nehmen, sprachen Betreiber und Geschäftsführer Martin Hötzl (kennt man vom Restaurant „Fleischerei“), sein kreativer Partner Jesko Klatt („Spindler & Klatt“), Restaurantleiter Rainer Möckel („Borchardt“, „Vox“) und Küchenchef Tilo Roth („Rodeo“) zusammen mit der unerfreulichen Bleibt-zu-Hause-Mitteilung die Einladung zum zweiten Versuch einer Einweihung aus. Das hätten sie besser gelassen.

Zweite Party abgesagt

Auch die Feier am 19. April musste nämlich – die Bauarbeiten waren immer noch nicht abgeschlossen – abgesagt werden. Die Holzterrasse im Hof war noch nicht fertig und auch im Haus noch manches zu erledigen. Rainer Möckel zog aus dem peinlichen Doppel-Fehlstart die einzig richtige Konsequenz: „Die nächsten Einladungen gehen erst raus, wenn alles fertig ist.“

Am Donnerstagabend war gab es nun den dritten Versuch. Und weil die inzwischen schon fast traditionelle Ausladung ausblieb, fanden sich tatsächlich Gäste wie die Schauspielerinnen Nina Petri und Mariella Ahrens ein. Und waren, wie Kollege Bruno Eyron, wegen der doppelten Ausladung auch nicht sauer: „Das kann doch mal passieren, wenn man baut. Ich kenne das, denn mein Vater hat sein Leben lang gebaut.“ Die Innenausstattung war dann Anlass für so manche „Ach, ihr seid doch noch nicht fertig?!“-Bemerkung. Wände mit und ohne Putz, frisch geklebte Tapeten, die wie die Reste einer alten Wandbekleidung aussehen sollen.

Ab sofort soll nun täglich zum Lunch und zum Dinner geöffnet sein. Und wer nach der Arbeit dringend einen Cocktail braucht, um seinen Chef oder seine Kollegen zu vergessen, wird sich vielleicht darüber freuen, dass die Bar im „The Grand“ schon um 16 Uhr öffnet.

The Grand: Hirtenstraße 4Mitteevent@the-grand-berlin.com