„Das ist schon rührend“, sagt Arne Piepgras. Tausende Mails seien eingetroffen, sogar aus Japan. Und in allen werde bedauert, dass das Stattbad geschlossen wurde.

Arne Piepgras ist der Eigentümer des Stattbads Wedding, einem besonders unter jungen Menschen beliebten Ortes. Weil so ein trockengelegtes Schwimmbad viel Charme hat. Weil es dort ein Programm gibt, das über die Bezirksgrenzen hinaus Besucher angelockt und dazu beigetragen hat, das der Wedding inzwischen von so manchem als Trendbezirk bezeichnet wird.

Im Stattbad wurde auf Techno-Partys bis früh in den Morgen getanzt, Berühmtheiten wie der Sänger von Radiohead, Thom Yorke, haben im ehemaligen Schwimmbecken Platten aufgelegt, experimentelle Jazz-Konzerte wurden dort gespielt, und auch die Fashion Week hat sich letztes Jahr dort eingemietet.

Seit Anfang dieser Woche steht nun fest: Das Stattbad bleibt vorerst geschlossen, den Betreibern wurde die „Nutzung wegen Brandschutzmängeln untersagt“, wie das Bezirksamt Mitte mitteilte.

Zuvor war nach Angaben der Betreiber eine anonyme Anzeige beim Bezirk eingegangen. Dieser kontrollierte daraufhin die Räumlichkeiten. „Dabei musste festgestellt werden, dass die Anlage entgegen der erteilten Baugenehmigung genutzt wird“, heißt es in der Mitteilung des Bezirks. Unter anderem mangelt es laut Bezirksamt an einer Brandmeldeanlage und an „Alarmierungsanlagen“, an einer „Übertragungseinheit“ sprich Direktleitung zur Berliner Feuerwehr und an einer Sprinkleranlage.

Gespräche mit dem Bezirk

Eigentümer Piepgras zeigt sich einsichtig: „Bis Ende 2016 sorgen wir dafür, dass die Mängel wie gewünscht beseitigt werden. Legalität ist uns wichtig“, sagt er auf Anfrage der Berliner Zeitung. Derzeit würde mit dem Bezirk darüber gesprochen, dass zumindest eine Teileröffnung in der nächsten Zeit erfolgen kann“.

Vorstellbar für Piepgras sei es, dass das gesamte untere Geschoss, in dem sich überwiegend Büros und Galerien befinden, wieder geöffnet werden kann. Denn das Stattbad Wedding war nicht nur ein Ort für Partys, auch Ausstellungseröffnungen wurden dort gefeiert oder vegane Kochrunden veranstaltet. „Ich bin optimistisch, dass das klappt.“

Der zuständige Bezirksstadtrat Carsten Spallek (CDU) wollte sich am Dienstag zur Schließung des Stattbades nicht äußern. Bezirksbürgermeister Christian Hanke (SPD) war für eine Stellungnahme nicht zu erreichen.

Aus dem Büro der derzeitigen Betreiber heißt es: „Wir wissen momentan nicht, wie es weiter geht.“ Betrieben wird das Stattbad von Daniel Plasch und Jochen Küpper von der STATTBAD Berlin UG. Diese war auch für das Programm verantwortlich und haben laut Eigentümer Piepgras die Räume für 500 Euro monatlich gemietet.

Party verlegt

Ob die Betreiber durch den Wegfall der Einnahmen durch Partys die monatlichen Betriebskosten für das Stattbad weiterhin tragen können? „Auch dazu äußern wir uns vorerst nicht“, heißt es aus dem STATTBAD-Büro. Eine Option ist es wohl, Veranstaltungen an andere Orte zu verlegen. So war es auch am vergangenen Samstag, als die Betreiber kurzerhand die Partyreihe „Stattnacht/Grounded Theory“ vom Wedding in einen Club nach Kreuzberg verlegt hatten. Fest steht: Solange die Mängel nicht behoben sind, wird es vorerst im Stattbad keine Techno-Partys, keine Konzerte oder andere Tanzveranstaltungen geben.