Demonstration der Veranstaltungsbranche Mitte Juli.
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BerlinDie Corona-Krise bedroht die Club- und Veranstaltungsbranche wie keine andere. Während fast alle anderen wieder öffnen dürfen, gilt für sie weiterhin Berufsverbot – und zwar auf unbestimmte Zeit, bei extrem hohen laufenden Kosten. Noch täuschen Mietstundungen über die dramatische Entwicklung hinweg. Doch: Das Berliner Nachtleben stirbt schon jetzt vor den Augen des untätigen Senats.

Berlin hat sich schon immer gern mit seinen Clubs geschmückt, aber wenig für sie getan. Das fiel in der Vergangenheit auch allzu leicht. Die Clubszene ist schlechter in die Politik hinein vernetzt als andere Branchen. Gewöhnt daran, ewig letzter und oft missverstandener Bittsteller zu sein. Ein Kommunikations- und Repräsentations-Problem, das die Krise verschärft, weil sie eine große Runde von Bittstellern schafft.

Der Senat muss begreifen: Er schlägt gerade die Nägel in den Sarg einer der wichtigsten Wirtschaftsbranchen Berlins – mit jedem Monat, den er die Clubs im Stich lässt. Wer aber soll nach der Krise all die Jungen, Kreativen und Touristen anziehen, die Berlin treiben und bezahlen? Sie kommen wegen des Berghains, nicht wegen des Brandenburger Tores.

Senat und Bezirke müssen jetzt sofort Wege finden, die Fixkosten von Clubs und Konzerthäusern, vor allem ihre oft absurd hohen Mieten, nicht nur zu stunden, sondern radikal zu senken. Dass Vorstöße dazu und zumindest Appelle an private Vermieter erst von der CDU kommen mussten, könnte das Desinteresse der rot-rot-grünen Koalition nicht deutlicher zeigen.

Parallel braucht es neue kreative Konzepte, um die Kultur zurück in die Stadt zu bringen und die Finanzen in der Szene aufzubessern. In der Diskussion: Berlin soll zur „Draußenstadt“ werden, Open Airs erleichtert und ausgebaut werden. Ein guter Ansatz. Dass der Senat erst Mitte Juli darauf kommt, stimmt allerdings hoffnungslos.