Clubsterben: Das Ende der Republik

Was haben Immobilien-Exposés und Reisebroschüren gemeinsam? Man weiß nie genau, was man bekommt. Und wenn sich das Ferienhaus oder die Eigentumswohnung als Mogelpackung entpuppt, ist der Ärger groß.
Darauf sollten auch die zukünftigen Bewohner der Pappelallee 81 achten, die ihre Wohngegend im Jahr 2013 ein wenig anders erleben dürften, als sie die Baufirma P&P GmbH in ihrem Exposé beschreibt: „Mittendrin im Leben, nebenan der Suhrkamp-Verlag, gegenüber das Ballhaus Ost, Modedesigner, Fotografen und die hipsten Bars, Restaurants und Clubs. (…) Mehr Berlin geht nicht.“ Das Clubleben in Prenzlauer Berg gehört dann nämlich längst der Vergangenheit an. Und das nicht zuletzt, weil für die beworbenen Eigentumswohnungen (3 600 Euro/Quadratmeter) einer der wichtigsten Clubs im Kiez abgerissen wird.

Es ist Samstagnacht, kurz nach 1 Uhr, durch die große Fensterfront der oberen Etage des Hauses Nr. 81 scheint buntes Licht, dumpf dringt Musik und Gekreische nach draußen. Über ein Treppengerüst im Hinterhof gelangt man ins Innere vom Klub der Republik (KdR).

Hitzeschock und Hochbetrieb

Beim Eintreten ein kleiner Hitzeschock, eine buntgemischte Menge tanzt in der Mitte des etwa 90 Quadratmeter großen, überfüllten Raumes. Drumherum DDR-Tische voller Bierflaschen, die Fensterscheiben beschlagen. Hinter dem DJ-Pult kistenweise Vinyl, DJ Tinko vom Plattenladen Oye schwitzt über dem Mixer, das Publikum groovt ausgelassen zu Disco-Sounds. Mehrmals fällt der Lautsprecher aus, springt er wieder an, bricht Jubel aus.

Die zehn Jahre seit der Eröffnung 2002 haben Spuren hinterlassen, der KdR ist runtergerockt, die runden Sofas durchgesessen, im Spiegelglas der Diskokugel klaffen große Risse. Seinen Charme hat er allerdings nie verloren, auch das Publikum blieb treu und sorgte jedes Wochenende für Hochbetrieb.

Über der Bar hängen BHs an einer Wäscheleine, darunter steht Barkeeper Deacon und reicht Bier über die Theke. Daneben lehnen die Clubbetreiber Dirk und Dominik und beobachten das Treiben.

„Uns war wichtig, dass jeder hier reinkommt, was bei Berliner Clubs ja nicht selbstverständlich ist“, sagen sie. „Es sollte immer frei und offen sein, auch musikalisch offen für ganz unterschiedliche Musikstile.“ Auch die Öffnungszeiten habe man ziemlich frei gestaltet, meint Deacon: „Irgendwann wenn es dunkel wird, machen wir auf, wenn die Leute nach Hause gehen, machen wir zu – und wenn sie nicht nach Hause gehen, bleiben wir eben.“
Zwei Tage später beim Gespräch in der Kohlenquelle, einem Cafe in der Kopenhagener Straße, das die KdR-Macher ebenfalls betreiben, hat Dominik Baupläne mitgebracht, Zeichnungen aus den 60ern Jahren, als der Gebäudekomplex in der Pappelallee für die „Produktionsgenossenschaft Linoleum- und Teppichleger“ errichtet wurde. Den Mitarbeitern stand im ersten Stock auch ein „Kultursaal“ mit eingebauter Bar für Betriebsfeiern zur Verfügung. „Ende 2001 habe ich gesehen, dass das Gebäude zu vermieten ist, und dann alles dafür getan, es zu bekommen“ erinnert sich Dominik mit leuchtenden Augen.