Berlin - Bei der Recherche zum aktuellen Clubsterben bin ich auf einen Artikel aus dem Szenemagazin Frontpage aus dem Jahr 1995 gestoßen. Der Titel des Artikels „Clubsterben". Der Autor bezieht sich auf den Bunker, einen Techno-Club in Mitte, der 1996 geschlossen wurde und bereits ein Jahr vorher geschlossen werden sollte.

In der Szene hat die Schließung zu großen Protesten geführt. Vergeblich. Heute wohnt ein Kunstsammler auf dem ehemaligen Bunkerdach, in einer schicken Penthouse-Wohnung. In der Bunkeranlage hängt seine Kunst. Man kann sie an den Wochenenden besichtigen.

Es ist der Lauf der Dinge in dieser Stadt und wahrscheinlich in allen Städten der Welt, dass Clubs, Bars, Kinos, Theater irgendwann einmal geschlossen werden und neue Vergnügungsetablissements aufmachen. Redakteure unserer Zeitung haben aufgeschrieben, an welche Clubs sie sich gerne erinnern, die es heute aber nicht mehr gibt.  

Maria am Ostbahnhof

von Marcus Weingärtner

Als ich Ende der 90er Jahre nach Berlin kam, waren die Maria am Ostbahnhof und das Ostgut die hippsten Clubs der Stadt. Man teilte sich Sounds und Publikum, das Ostgut, der Vorläufer des Berghain, war düster und härter, die Maria, wie der Club in einem ehemaligen Verwaltungsgebäude des Postbahnhofs kurz und liebevoll genannt wurde, war irgendwie heimeliger, das musikalische Angebot vielschichtiger. Ein guter Start in die Großstadt, ich ging regelmäßig hin, wohnte fast um die Ecke. 2Step und Dubstep waren die Stile der Stunde und ich verbrachte einige Nächte in der Maria. Nach einem Umzug und Umbenennungen war Ende 2011 dann Schluss. Ich denke immer noch gerne an die Maria, der Club hat mir die erste Zeit in Berlin angenehmer gemacht. Was kann man mehr erwarten vom Nachtleben.

Kiki Blofeld an der Spree

von Johannes Studnik

Ich vermisse das Kiki Blofeld, zwischen 2004 und 2011 eine fantastische, entspannte Strandbar am westlichen Spreeufer in Berlins an Kreuzberg grenzender Mitte, damals gegenüber der legendären Bar 25, aber ganz anders: eine entschleunigte, für jeden offene Oase inmitten der Metropole, nur durch einen versteckten Trampelpfad zu erreichen. 2011 lief der Mietvertrag aus, inzwischen ist das gesamte Gelände dort entlang der Spree dicht bebaut.

2014 wagte der Betreiber Gerke Freyschmidt einen neuen Anlauf, eröffnete das Kiki Blofeld in Oberschöneweide, scheinbar ein Coup, denn das Industrieareal im Osten schien gerade ganz groß im Kommen zu sein. Nach einer Saison war Schluss. Anwohner hatten sich über die Lautstärke beschwert – und ausgerechnet beim Publik Viewing der WM wollte eine Dame vom Amt das Gelände räumen lassen – angeblich, weil eine Genehmigung fehlte. Freyschmidt gab auf und ärgert sich im Nachhinein, es überhaupt dort versucht zu haben.

Non Tox im Friedrichshain

von Isabella V. Galanty

Der Club war dort wo heute die Mercedes-Benz Arena steht! In der Mühlenstraße! Zu meiner Zeit mit großartigen, düsteren EBM-Parties…. Man ging immer spät hin und das Bier gabs dann immer günstiger vorne an der BP-Tankstelle! Die gibt’s heute logischerweise auch nicht mehr!

Kato am Schlesischen Tor

von Isabella V. Galanty

Auch eine Gruftie-Disco gewesen, ansässig im Schlesischen Tor! Legendäre Parties, immer dunkel, verraucht und super gute Musik! Der Weg nach Hause war ebenfals nicht weit, da beide Clubs sehr zentral waren!

Bunker in der Reinhardtstraße

von Ida Krenzlin

Ich habe in der Nähe des Bunkers in der Reinhardtstraße gewohnt. In meiner Kindheit sollen da Lebensmittel gelagert worden sein. Südfrüchte, die es kaum in unser „Obst und Gemüse“-Geschäft in die Oranienburger Straße geschafft haben. Aus dem „Obst und Gemüse“ wurde in den Neunzigern eine Kneipe mit gleichlautendem Namen, gegenüber vom Café Zapata im Tacheles. Alle drei Läden gibt es nicht mehr – Bunker, Obst und Gemüse, Tacheles.

In den Techno-Club Bunker zu gehen, war immer auch eine Mutprobe. Man musste am Türsteher vorbei. Es wurden harte Gabber-Techno-Parties gefeiert, sehr exzessiv. Man tastete sich von einem Raum in den nächsten, von einer Etage in die nächste. Es war sehr dunkel. Ständig ging es um die Ecke, eine weitere Treppe hoch oder runter. Schweiß tropfte von den niedrigen Decken, Strobo-Gewitter blendete, zusätzlich waberte Nebel durch die engen Räume. Es war reine Glückssache, dass man jemanden wiederfand. Der Bunker war ein Labyrinth. Alles war irgendwie anonym und kaputt.  

Brunnen70 an der Voltastraße

von Julian Entrup-Galiano

Kurze sechs Jahre existierte das Brunnen70 in der namengebenden Brunnenstraße, Hausnummer 70, Ortsteil Wedding. Der Electro-Club an der U-Bahnstation Voltastraße war wohl einer der Gründe, warum der oft schlecht geredete Wedding endlich kommt. 2016 war leider Schluss, doch eine nostalgische Erinnerung bleibt hängen. Das Ambiente im Brunnen70 war rau, cool und außergewöhnlich. Mit einem Aufzug gelangte man eine Etage tiefer in den eigentlichen Club, wo es viele Neonfarben und verwinkelte Räume gab. Ein seltsames Gefühl aus Beklemmung und Freiheit erzeugten die House und Elektrobeats die unter der Erde gespielt wurden, und manifestierten meinen Eindruck von Berlin als wahnsinnig interessanter Stadt.