Vor einigen Tagen schaltete der Berliner KingKong Club auf seiner Facebookseite eine digitale Todesanzeige mit den Worten: „KingKong, den legendären Affen, der seit 2003 im Berliner Clubdschungel mitmischt, hat’s nun auch erwischt. Ein weiteres Opfer des Clubsterbens in Berlin Mitte ist zu beklagen.“ Im April soll endgültig Schluss sein. Ein Bioladen soll dann in die Brunnenstraße 173, sagt Clubbetreiberin Kathrine Ohland. Eine Alternative für den alternativen Laden, der für Livemusik jenseits des Mainstreams steht, gebe es nicht.

Im Gegensatz zum KingKong haben andere Clubs und Konzertsäle in Berlin meistens mit Anwohnern zu kämpfen, die sich über Lärm und Müll beschweren. Manchmal reicht schon ein Anruf eines einzigen Nachbarn, der sich durch dröhnende Bässe gestört fühlt, und es droht ein zäher Prozess, in dessen Verlauf sich beide Fronten nur noch mehr verhärten. Um diesen Konflikt womöglich schon zu stoppen, bevor er überhaupt beginnt, will das Musicboard Berlin zwischen den Bezirken und Clubbetreibern vermitteln. Seit Anfang 2013 unterstützt die neu geschaffene Institution im Auftrag des Berliner Senats die popkulturelle Szene der Hauptstadt.

Umfrage unter Anwohnern

Damit das im möglichst engen Kontakt zu den Beteiligten passiert, steht die Musicboard-Leiterin Katja Lucker im ständigen Austausch mit Clubbesitzern, Nachbarschaft und Verwaltung. So wurden etwa anlässlich des Torstraßenfestivals im Sommer 2013 Anwohner im Kiez befragt, wie sie zu den Musikclubs in ihrer näheren Umgebung stehen. Die Ergebnisse wurden am Dienstag präsentiert.

Erstaunlich dabei sind die überwiegend positiven Attribute, die Anwohner mit Clubs verbinden. Erst auf Platz sieben nach „Spaß, Musik, Freunde, Event genießen, Essen & Trinken und Belebung der Nachbarschaft“ erscheinen laut der „Pop im Kiez“-Umfrage, die von Studenten der Hochschule der populären Künste (hdpk) erstellt wurde, negative Assoziationen wie Betrunkene und Lärmbelästigung. Viele Befragte würden Lärm als zu akzeptierende Begleiterscheinung einer Großstadt empfinden, erklärte Professor Dr. Ulrich Wünsch von der hdpk. „Selbst den ökonomischen Aspekt bewerten die meisten positiv.“ Der Kiez profitiere ja schließlich auch von den Clubs und der damit verbundenen Attraktivität für Touristen.

Neue Clubs siedeln sich an

Einerseits soll der Kiez belebt werden, andererseits werden zusehends Clubs aus angestammten Adressen verdrängt − eine Entwicklung, die vor allem in den Bezirken Mitte und Prenzlauer Berg seit Jahren zu spüren ist. Nicht immer finden Clubs eine neue Bleibe. Zurück bleibt oft Wut und Enttäuschung − über den Bezirk, den gierigen Investor oder Immobilienhai. Dass es auch anders geht und pauschale Schuldzuweisungen nichts bewirken, will das Musicboard nach außen tragen.

Vor allem nicht-kommerzielle Musikclubs werden unterstützt, wie Lutz Leichsenring von der Berliner Clubcommission berichtet. In Bezirken wie Lichtenberg, Charlottenburg und besonders Neukölln lasse sich bereits der Trend erkennen, dass Musikclubs ausdrücklich im Kiez gewünscht werden. Dort siedelt sich derzeit eine neue Clubkultur an, die für Berlin nur positiv sein kann.