Magisch sei es, findet Stephan Erfurt. Er macht eine kurze Pause und lässt damit für ein paar Sekunden offen, was er meint. Das wuchernde Unkraut? Den verwitterten Boden? Das monumentale Parkhaus vielleicht? Nein, alles falsch. Erfurt spricht von dem Bild, das in diesem Moment nur er sehen kann. Ein Bild aus der Zukunft. Erfurt sieht darauf einen gepflegten Innenhof, er sieht Menschen, die aufeinander zugehen und über Kunst reden. Schon im Frühjahr 2014 soll aus der Vision Realität werden: Wenn die Fotogalerie C/O Berlin offiziell ihren neuen Standort im Amerika-Haus in der City West bezieht.

Abschied aus Mitte

Für C/O Berlin ist das die Chance zum Neustart. Etwas mehr als drei Monate ist es her, seit das Ausstellungshaus wegen Querelen mit dem Eigentümer aus dem alten Standort an der Oranienburger Straße ausziehen musste. Nun sind Wut und Trauer längst Optimismus gewichen, „das Amerikahaus ist unser aller Kind“, sagt der Vorstandsvorsitzende Erfurt. „Wir werden endlich wieder anfassbar sein.“ Und das schneller als gedacht. Denn während bis zur offiziellen Eröffnung noch ein paar Monate ins Land gehen werden, findet schon ab dem 12. Juli die erste Ausstellung am neuen Standort statt.

Wie das geht? Während das Amerikahaus in Christo-Manier verhüllt werden soll, will die Galerie ihre 500 Quadratmeter Grundstücksfläche vor dem Haupteingang nutzen. Auf 15 Displays können dann bis zum September 120 historische und zeitgenössische Fotografien der neuen Heimat besichtigt werden. Sieben Tage pro Woche, 24 Stunden zugänglich, für jedermann kostenlos. Und das soll erst der Anfang sein. „Ich bin der festen Überzeugung, dass die Aufenthaltsqualität in der City West zunehmen wird, wenn das Amerikahaus vollends wachgeküsst wird“, glaubt Stephan Erfurt.

Neuerungen Innen und Außen

Ab 2014, so der Plan, stehen im Inneren des Amerikahauses drei bis vier moderne Ausstellungssituationen zur Verfügung. Dafür sollen Trennwände herausgerissen werden, um das Ambiente luftiger zu gestalten, es werden tiefe Decken angehoben, auch die Jahrzehnte alte Technik wird generalüberholt. Der alte Kinosaal nimmt in den Planungen ebenso eine wichtige Rolle ein wie das neue Café. Und an der viel befahrenen Hardenbergstraße soll eine Ampel installiert werden, um die Sicherheit für die Besucher zu erhöhen. Erfurts Stimme überschlägt sich fast, so viel Neues gibt es zu berichten.

#gallery1

Und dann ist da ja noch der Mietvertrag. Die C/O-Galerie hatte in der Vergangenheit immer damit zu kämpfen, dass sie am ehemaligen Standort in der Oranienburger Straße nur kurze Mietverträge bekam. Mal für ein Jahr, mal nur für ein halbes. Im Amerika-Haus darf die Galerie nun 16 Jahre lang bleiben. „Endlich haben wir einmal Planungssicherheit“, sagt Erfurt. „Das ist unser größtes Glück.“ Zwar betonte die Spitze der Galerie in der Vergangenheit stets, wie sehr sie sich Mitte verbunden fühle, doch wenn man Erfurt zuhört, merkt man schnell, dass die alte Liebe erkaltet ist. „Wie aufgeschlossen die Nachbarn hier am neuen Standort sind – so etwas haben wir in Mitte nie gespürt. Auch bei den Politikern habe ich in Mitte nie den Zuspruch empfunden, der uns hier in Charlottenburg-Wilmersdorf zuteil wird.“

"Ein Zentrum für Bilderschauen"

Die jüngere Vergangenheit belastet das Ausstellungshaus allerdings weiter. Da sie sich vor allem über Eintrittsgelder finanziert, wollte man im Postfuhramt eigentlich Rücklagen bilden, um damit den Umbau im Amerikahaus teilweise stemmen zu können. Durch die abrupte Mietkündigung aber war das nicht mehr möglich. Vor allem bei Mäzenen versucht Erfurt nun Geld einzutreiben, eine Summe im unteren siebenstelligen Bereich benötigt er.

Im ersten Jahr kalkuliert der Vorstandschef vorsichtig mit 100 000 Besuchern, diese würden das operative Geschäft sicherstellen. Dass es vielleicht mehr werden, darauf hofft man insgeheim. Einerseits wegen der Stahlkraft, die man glaubt, auch an den neuen Standort hinüberretten zu können, andererseits aber auch wegen möglicher Synergieeffekte. Ganz in der Nähe sind nämlich schon die Helmut-Newton-Stiftung und das Museum für Fotografie angesiedelt, auch andere Galerien wie etwa Camera Work. Es entstehe „ein Zentrum für Bilderschauen“, schwärmt Erfurt. Und Christian Tänzler, Pressesprecher von visitBerlin, sieht sogar schon einen neuen Leuchtturm in der aufstrebenden City West.