Berlin - Die Globalisierung macht auch vor dem alternativen Bezirk Friedrichshain-Kreuzberg nicht Halt. Wo die Ur-Einwohner mit solcherart Kapitalismus-Symbolen heftig zu fremdeln pflegen. Man erinnere sich noch an den Sommer 2007, als an der Wrangelstraße die erste Kreuzberger Burger-Brater-Filiale öffnete und prompt einen Glaubenskrieg ums Essen und die Probleme der Dritten Welt auslöste. Als ein Jahr später der US-Milliardär Phil Anschutz eine seiner Veranstaltungs-Arenen am Ostbahnhof in Friedrichsthain eröffnete, wurde der Protest handgreiflich  - ein riesiges Polizeiaufgebot musste die Eröffnungsgala schützen.

Ärger verursachte auch Deutschlands berühmtester Autobauer, der neben der Großhalle am Ostbahnhof seine neue Vertriebszentrale errichtet und diese zudem mit dem symbolischen Stern  schmücken wird. Ähnliche Diskussionen könnten sich jetzt wiederholen: Der US-Brause-Multi Coca-Cola verlegt seinen Deutschland-Sitz in den Osthafen nach Friedrichshain.

Dabei ist der Osthafen ein gutes Pflaster für Firmenzentralen.  Als erstes bezog  2003 das Musikunternehmen Universal das historische Eierkühlhaus. Kurz darauf richtete sich der Sender MTV mit seiner Zentrale in einem sanierten Lagergebäude ein. Inzwischen belegt MTV/Viva auch noch einen Neubau.  Im Frühjahr 2013 folgt das nächste Hauptquartier: das von Coca- Deutschland, der  von der Friedrichstraße auf das einstige  Hafengelände an der Stralauer Allee verlegt wird.

„Berlins Große Freiheit“

„Wir sind seit 1998 an der Friedrichstraße und suchten nach Auslaufen des Mietvertrages  2013 einen anderen zentrumsnahen Standort“, sagt Unternehmenssprecher Geert Harzmann. Als Grund für den Wechsel nennt er vor allem „betriebswirtschaftliche Überlegungen.“ Was nichts anderes heißt, als dass die bisherigen Büros im Quartier 205, unweit  des Kaufhauses Galeries Lafayette, schlicht zu teuer waren.  Geprüft habe man mehrere Berliner Standorte, der im Osthafen habe „die beste Lösung“ geboten.

Zwischen dem schicken nh-Design-Hotel und MTV/Viva wühlt sich seit Wochen schweres Gerät in die Erde. Ein Bauschild gibt es nicht, und wer gucken will, wird von mannshohen Absperrungen gestoppt. Das umzäunte Grundstück gehört dem Essener Baukonzern Hochtief. „Berlins Große Freiheit“ hat das Unternehmen sein Projekt genannt. Auf sechs Etagen sollen rund 9.400 Quadratmeter Büros entstehen.

Derzeit wird das Konzept an den künftigen Mieter angepasst. Deshalb will man bei  Hochtief auch noch nicht sagen, wie das Gebäude tatsächlich  aussehen wird. Bei den Gesprächen geht es hauptsächlich um die  passende Raumaufteilung.   Denn Coca-Cola Deutschland besteht quasi aus zwei Firmen: aus der Coca-Cola GmbH, einer Tochter der Company in Atlanta, zuständig für Werbung und  Markenpflege. Und aus der Erfrischungsgetränke AG, einem Zusammenschluss der regionalen Abfüll- und Vertriebsfirmen. Noch ist auch nicht klar, wie viele der rund 450 Mitarbeiter  aus der Zentrale zum Osthafen ziehen.

Denn auch der Abfüllstandort in Hohenschönhausen wird aufgestockt. Eines indes steht für Firmensprecher Harzmann fest: „Am Gebäude wird es unser Firmenlogo geben.“ Eine Vorstellung, die nicht  überall in Friedrichshain-Kreuzberg  für Freude sorgen wird: Nach dem Mercedes-Stern auf der neuen Vertriebszentrale am Ostbahnhof wäre das rote Coca-Cola-Logo  ein weiteres Symbol des globalisierten Kapitalismus. Bürgermeister Franz Schulz (Grüne) jedenfalls ist sich schon ganz  sicher: „Wie groß so ein Schriftzug wird,  wird eines der Themen in unserer Bauplanungsbehörde sein.“