Berlin - Robert Bukvic hat ganz am Anfang in seinem Zimmer oft alleine gesessen und über Ideen gebrütet, bis er merkte, dass ihm der Dialog mit anderen Menschen hilft. Erfolgsgeschichten entstehen aus Gesprächen, so fasst er das zusammen. Er hat danach Start-ups gegründet, gewinnbringend verkauft und ist zu einem erfolgreichen Geschäftsmann aufgestiegen.

Die Idee, dass Zusammenarbeit zum Erfolg führt, setzt er jetzt mit seinen Coworking-Spaces fort. Rent24 heißt sein Unternehmen, und es wird in Berlin erstmals auf großer Fläche die Möglichkeit von Coworking und Coliving anbieten, Arbeiten und Schlafen also unter einem Dach an der Potsdamer Straße in Schöneberg.

Coliving-Bereich soll es ab April geben

Beim Gespräch im Office setzt sich der 37 Jahre alte Bukvic in einen bequemen Vintage-Sessel, hinter ihm steht ein Sofa, der Tisch ist aus Holz und Metall. Alles ganz modern, seine Frau ist Innenarchitektin. Im Hintergrund ist das Hämmern eines Handwerkers zu hören, der Coliving-Bereich ist noch nicht fertig, die Unterkünfte sollen ab April angeboten werden. Es werde in Zukunft Ein- bis Vierbett-Zimmer geben, die Gäste können zwischen eigenem Bad und gemeinschaftlichen Waschräumen wählen, erzählt Bukvic.

Auch das gemeinschaftliche Wohnen hat Bukvic in der Vergangenheit gelernt. Er ist im Berliner Westend groß geworden, hat dann als erfolgreicher Basketballspieler ein Stipendium in den USA erhalten, später ist er nach Italien und Spanien weitergezogen, um professionell zu spielen. Gemeinsame Waschräume und gemeinsames Übernachten hat er also als Mannschaftssportler viele Jahre praktiziert.

Wie eine exklusive Jugendherberge

Das günstigste Angebot für die Übernachtung liegt bei 39 Euro. Die Zimmer sind mit Betten, Sesseln, Kühlschrank und Parkettboden ausgestattet, Bücher gibt es auch, aber keine Fernseher, ihre Bildschirme haben die Gäste ja immer dabei, sagt Bukvic lächelnd. Insgesamt soll es 150 Übernachtungsmöglichkeiten auf 3000 Quadratmetern geben. Exklusive Jugendherberge – so ungefähr lässt sich das zusammenfassen.

Der Lebenslauf mit vielen Reisen und dem Leben in verschiedenen Ländern erklärt, warum Bukvic sich Gedanken um das Arbeiten am richtigen Ort macht. Und warum er mit seinem Unternehmen versucht, den europäischen Markt aufzumischen. Vor 15 Jahren hat er damit angefangen, die ersten Büroflächen bereitzustellen. Inzwischen sind es durch die Fusion mit Friendsfactory 20 Standorte geworden, in Berlin gibt es die meisten Arbeitsbereiche, in Amsterdam einen internationalen Ableger.

Die Welt ist dein Büro

Bukvic folgt einem Trend der modernen Arbeitswelt. Gerade im Start-up-Bereich versuchen Enthusiasten ihr Glück oft mit einem internationalen Team, Berlin als gefragte Großstadt bietet sich da als Ausgangspunkt an. Die Welt der Gründer verspricht große Erfolge, sonst gäbe es Google, Facebook oder Amazon nicht. Aber Scheitern gehört auch dazu. Die meisten Start-ups, das zeigen die Statistiken, werden nie weltbekannt. Manche verschwinden schnell wieder, manche Gründer arbeiten jahrelang für einen kleinen Erfolg.

Warum sollten sie also das Risiko eingehen und Mietverträge für große Büroräume unterschreiben? Bei dieser Ungewissheit wollen einzelne Entwickler oder Programmierer sich auch nicht so schnell festlegen. Wenn es schlecht läuft, dann geht das Geld aus und sie müssen sich von Job zu Job hangeln.

Wohnen und Arbeiten auf Zeit ist für diese modernen Nomaden die beste Wahl. „Die Welt ist dein Büro“, lautete die Schlagzeile in der New York Times, als es dort in einem Artikel neulich um Leben und Arbeiten der Zukunft ging. Was noch dazu kommt: Große Unternehmen wünschen inzwischen häufiger den Input von flexiblen Teams, auch das ist in Coworking-Einrichtungen möglich.

Freizeit-Angebote gehören auch dazu

Nicht nur Bukvic und seine Firma haben auf die neuen Bedürfnisse reagiert, auch die Konkurrenz ist aktiv. Wework hat vor Wochen bekanntgeben, dass es am Potsdamer Platz im kommenden Sommer Arbeitsplätze auf 13.000 Quadratmetern in 14 Stockwerken bereitstellen will.

Auch Plattformen wie Airbnb bieten kurzfristig nutzbare Wohnungen und Zimmer an, was in der Nachbarschaft und den Bezirken allerdings oft nicht gut ankommt. Rent24 nutzt das historische Verwaltungsgebäude an der Potsdamer Straße, das ursprünglich für die Bauleitung der Reichsautobahn konzipiert und nach dem Krieg von der BVG als Zentrale genutzt wurde.

Bukvic erzählt am Ende, wie er den Einstieg in die Branche geschafft hat. Sein erstes Projekt war eine Plattform für Schüler, die sich Lösungen für Hausaufgaben kostenpflichtig herunterladen konnten. Für 3000 Dollar hat er die Idee verkauft. So ging es los, später wurden die Projekte größer und die Summen auch.

Dann beginnt im Hintergrund eine Gruppe „Happy Birthday“ zu singen. Es wird also nicht nur gearbeitet – gemeinsam gefeiert wird offensichtlich auch. Yoga-Kurse, ein kleines Kino und ein Fitness-Studio gehören auch zum Freizeit-Angebot.