Auf den ersten Blick bietet dieser Comic den üblichen Horror- und Splatterkram. „Hack/Slash“ erscheint düster und gruselig, brutal und blutig. Hinzu kommen noch etwas Pin-up-Seligkeit, also junge Frauen in erotischen Posen, sowie einige religiöse und okkulte Marotten, Kirchenkreuze, Zauberbibeln oder Voodoo-Monster zum Beispiel.

Diesen Mix als Pulp oder White Trash zu bezeichnen, als Trivial- oder Schundliteratur, ist so naheliegend wie richtig. Der amerikanische Zeichner Tim Seeley liebt dieses Genre, aus seinem Faible für Filme wie „Nightmare on Elm Street“, „Halloween“ oder „Scream“ macht er keinen Hehl.

Allerdings beschränkt sich der Künstler nicht darauf, sondern stattet seine Bildergeschichten stets mit viel Ironie aus. In „Hack/Slash“ begegnen uns nur gebrochene Gestalten, sie sind denkbar weit vom strahlenden Superhelden-Image entfernt: Cassie Hack überlebte einst den Angriff einer monströsen Killerin, nämlich ihrer eigenen Mutter, die als „Lunch Lady“ die Schüler ihrer Highschool ermordete und sie im Schulessen verkochte; die Mutter war durch mysteriöse Umstände zum Slasher geworden, zur Untoten, die es nun auch auf ihre Tochter abgesehen hatte. Cassie blieb nichts anderes übrig, als sie ein für alle Mal ins Jenseits zu befördern.

Das ist auch schon der ganze Plot der seit 2004 bestehenden Comic-Serie: Junge Frau kämpft gegen Wiedergänger, die böse Dinge tun, zumeist töten sie Menschen, bevorzugt Teenager aus dem Highschool-Milieu. Bei ihrem Kampf steht Cassie ein missgestalteter, superstarker und herzensguter Freund bei, er heißt Vlad und beherrscht seine beiden Riesenschlachtermesser virtuos. Tim Seeley hat mit diesem Ensemble – Teenager, Highschool, bester Freund – eine Parallelwelt geschaffen, in der es vordergründig zwar splatterhaft zugeht, in der eigentlich aber die Probleme pubertierender Jugendlicher behandelt werden.

Wir kennen das aus der im Vergleich zu „Hack/Slash“ eher harmlosen TV-Serie „Buffy – Im Bann der Dämonen“. Tim Seeleys Epos lässt sich ebenso als eine Geschichte vom Erwachsenwerden in einer böse- monströsen Erwachsenenwelt lesen. Er hat damit großen Erfolg, nicht nur in den USA, sondern auch in Deutschland. Deshalb dürfen wir uns freuen, dass er heute bei Comics & Graphics seine Bücher signiert. Weil mit großem Andrang zu rechnen ist, sollte man den Signier-Termin allerdings telefonisch reservieren. Und keine Bange: Im wahren Leben ist Seeley ein echt netter und lustiger Mensch.

Tim Seeley bei Comics & Graphics, 17 bis 19 Uhr, Prenzlauer Allee 46, Karten-Telefon: 66 40 81 57.