Dumme Kriminelle brechen ein oder verüben einen Raub. Schlaue Kriminelle setzen sich an den Computer. Von Jahr zu Jahr machen sie mehr Beute. So stiegen die Schadenssummen bei den statistisch als Computerkriminalität erfassten Straftaten zwischen den Jahren  2009 und 2016   um rund sechs Millionen auf über 16,7 Millionen Euro. Im vergangenen Jahr  hat sich die Schadenssumme sogar fast verdoppelt – auf mehr als 31 Millionen Euro. Dies teilte Innenstaatssekretär Thomas Akmann (SPD) auf eine parlamentarische Anfrage des FDP-Abgeordneten Bernd Schlömer mit.

Unter die Rubrik Computerkriminalität fallen zum Beispiel das Ausspähen und Abfangen von Daten oder der Computerbetrug mittels illegal  erlangter Daten von Zahlungskarten, von denen es zum Beispiel  im vergangenen Jahr 6 720 Fälle gab. Im vergangenen Jahr gab es zudem 28 Fälle von Computersabotage, wozu etwa das Hacken gezählt wird oder das Beschädigen oder Zerstören einer Datenverarbeitungsanlage.

Deutsche Bahn um 840.000 Euro geprellt

Eine andere Rubrik bildet die sogenannte Internetkriminalität, wenn das Internet als „Tatmittel“ benutzt wird. Auch hier ist die kriminelle Energie der Täter hoch.  Im vergangen Jahr zählte die Polizei 26 861 Fälle, das sind mehr als 2 400 Fälle mehr als im Vorjahr. Unter Internetkriminalität werden unter anderem Delikte wie Waren- und Kreditbetrug erfasst, wenn Straftäter etwa im Internet hochwertige Waren bestellen und nicht bezahlen. Aber auch Leistungskreditbetrug oder die Verbreitung von Kinderpornografie gehören dazu. Die Schadenshöhe  von fast 18,3 Millionen Euro bei der Internetkriminalität liegt in etwa so hoch wie in den vergangenen Jahren.

Dass sie sich bei der Computerkriminalität dagegen verdoppelt hat, liegt unter anderem an zwei Gründen: 2017  überführte die Bundespolizei einen Kriminellen, der die Deutsche Bahn um mehr als 840 000 Euro ärmer machte. Er hatte mit gestohlenen Kreditkartendaten Bahntickets im Internet erworben und diese weiterverkauft. „Computerbetrug mittels rechtswidrig erlangter unbarer Zahlungsmittel“ lautet der sperrige Begriff für das Delikt.

Betrügerische Handyverträge

Einen weiteren großen Posten in der Schadensbilanz verursachte unter anderem eine Bande, die sogenannten Roaming-Fraud beging. „Sie haben sieben Millionen Euro Schaden verursacht“, sagt der Leitende Kriminaldirektor Thomas Simmroß. Mit Alias- und mitunter auch echten Personalien schlossen die Täter im Internet betrügerische Mobilfunkverträge ab. Dann wählten sie teure Mehrwert-Dienste oder Premium-Rufnummern im Ausland an, wo für die Anrufe abkassiert wurde. Die Täter sind  laut Simmroß bislang nicht gefasst.

Bernd Schlömer, der in der FDP netzpolitischer Sprecher ist, fällt auf, dass seit Jahren die Aufklärungsquote sinkt. „Das zeigt die Ohnmacht der Landespolizei bei der Bewältigung dieser Herausforderungen“, kritisiert er. „Man muss über eine Neuordnung der Kompetenzen nachdenken in den Deliktbereichen, die grenzenlos sind.“

Laut Polizist Simmroß funktioniert die Zusammenarbeit der  Ermittlungsbehörden in Mitteleuropa bereits relativ gut. „Wenn der Fall aber die deutschen oder sogar europäischen Grenzen überschreitet, wie es bei Internet-Kriminalität oft der Fall ist, wird es faktisch und rechtlich für deutsche Strafverfolger schwierig.“ Solche Ermittlungen seien zudem aufwändig. „Man muss dafür auch genügend Personal haben.“