Es ist nicht viel Platz in so einem Flüchtlingszimmer, befindet der Bundestagsabgeordnete Gregor Gysi (Linke) am Mittwochnachmittag. Zu diesem Zeitpunkt steht er im Containerdorf im Köpenicker Wohnungsviertel Allende II.

Gesundheitssenator Mario Czaja (CDU) gewährt dem Abgeordneten aus dem anderen politischen Lager und der Berliner Zeitung eine kleine Exklusiv-Führung. Das Containerdorf liegt in Gysis Wahlkreis.

15 Quadratmeter ist so ein Zimmer im Containerdorf groß. Noch steht nichts drin in den Zimmern. Zwei Personen werden darin wohnen. Zwei Betten, zwei Stühle, ein Kühlschrank sollen hinein. Haben die Bewohner Kinder, sollen die ins Nachbarzimmer einziehen. Es gibt eine Verbindungstür. Toiletten, Duschen, Küchen werden gemeinschaftlich genutzt. 120 Menschen wohnen auf einer Etage, 400 im ganzen Dorf. Überall wird derzeit noch geschraubt und geklebt in dem aufgestapelten Containerbauwerk. Draußen vor der Tür schieben Bagger Erdmassen umher, denn ein Spielplatz muss auch noch gebaut werden. Noch vor Jahresende sollen die ersten Bewohner einziehen.

„In so kurzer Zeit war nichts anderes machbar“, sagt Czaja. Dann erzählt er Gysi, wie dieses Heim für Flüchtlinge, die das Land Berlin unterbringen muss, ruckzuck entstanden ist: Finanzierung im Oktober, Baugenehmigung am 13. November, einen Tag später wurden erste Bäume gefällt. Jetzt ist es fast fertig.

Gregor Gysi hört interessiert zu. Dann will er wissen, wo Berlin noch überall solche Unterkünfte baut, wie die Nachbarn reagieren, warum Flüchtlinge in solchen Heimen untergebracht werden und nicht in Wohnungen. Und dann kommt die wichtigste Frage: „Was kann ich tun?“, fragt Gysi.

Da muss Czaja nicht lange überlegen. Wohnungsbaugenossenschaften wollten keine Flüchtlinge aufnehmen, obwohl das Land alle Kosten bezahlt, sagt Czaja. Gysi weiß Abhilfe. „Die klopp ich weich“, sagt er. Nächster Punkt: Die Anwohner fürchten sich vor überfüllten Bussen durch die neuen Nachbarn. Gysi will an die BVG schreiben und um kürzere Taktzeiten bitten. Es ist eine eigentümliche Verbindung, die an diesem Tag zu besichtigen ist. Der CDU-Mann Czaja und der Genosse Gysi können miteinander. Auch zu einer Anwohner-Veranstaltung will Gysi kommen, verspricht er.

Fluchttüren versperrt

Bei einem anderen Flüchtlingsthema, der besetzten Gerhart-Hauptmann-Schule in Kreuzberg, sind Feuerwehr und Bezirksamt am Mittwoch im Einsatz. Sie prüfen den Brandschutz. Von morgens um sieben Uhr an laufen Mitarbeiter der Bauaufsicht und der Feuerwehr durch das von 45 Flüchtlingen okkupierte Haus. „Fluchttüren waren mit Fahrradketten zugesperrt oder mit Balken blockiert“, sagt Bezirksamts-Sprecher Sascha Langenbach. Das Amt transportiert Sperrmüll ab: Matratzen, Tische, Reste von Stühlen, die auf Gängen und im Hof abgestellt worden waren.

Wie es mit dem Gebäude weitergeht, hängt derzeit vom Verwaltungsgericht ab, das eine vom Bezirksamt beantragte Räumung prüft.

Und noch eine dritte Nachricht zur Flüchtlingsproblematik gibt es am Mittwoch: Berlin wird anders als Schleswig-Holstein und Thüringen keinen Winter-Abschiebestopp für Flüchtlinge und abgelehnte Asylbewerber erlassen.