Museumstauglich? Die Maske ist jedenfalls als Objekt für Kreativität entdeckt. 
Foto: Imago Images/Jan Scheunert

BerlinDas Stadtmuseum Berlins muss an die Zukunft denken, wenn es Geschichte aufbewahren will. Deshalb ruft es jetzt die Berlinerinnen und Berliner auf, Fotografien, Objekte und Geschichten von und aus Berlin zu sammeln und zu Verfügung zu stellen, damit künftig an die Ausnahmesituation der aktuellen Corona-Krise  erinnert werden kann.

Von Interesse ist die gesamte Breite des besonderen Alltags: leere Straßen und Plätze, lange Schlangen an den Supermarktkassen, Einweghandschuhe und Atemschutzmasken, geschlossene Restaurants und Schulen, Kurzarbeit und Homeoffice. In dem Aufruf heißt es: „Das Coronavirus hat die Stadt und ihren Alltag in kürzester Zeit auf den Kopf gestellt. Diese auch im historischen Maßstab außergewöhnliche Situation möchte das Stadtmuseum Berlin in seiner Funktion als das ,Gedächtnis‘ der Stadt gemeinsam mit Ihnen für die Zukunft festhalten.“

Das „Gedächtnis“ der Stadt

Als Nachfolger des Märkischen Provinzialmuseums und gemeinsame Heimat der ehemaligen Stadtmuseen West- und Ost-Berlins umfassen die Sammlungen des heutigen Stadtmuseums Berlin fast 150 Jahre Berliner Geschichte. Dies ist von Anfang an nur mit der Unterstützung der Berlinerinnen und Berliner möglich gewesen, die den Institutionen Bilder und Erinnerungsstücke anvertraut haben, heiß es in dem Aufruf des Museums. Die auf diese Weise zusammengetragenen rund 4,5 Millionen Objekte der Sammlungen bilden die Grundlage, um die Entwicklung der Stadt Berlin und die Geschichten ihrer Bewohnerinnen und Bewohner an künftige Generationen weiterzugeben.

Auch aus Sicht des Deutschen Historischen Museum eröffnet sich ein  neues Sammelgebiet. "Manche sagen ja schon, vor und nach Corona ist eine neue Zeitrechnung", sagte der Abteilungsdirektor Sammlungen des Museums, Fritz Backhaus, der Deutschen Presse-Agentur in Berlin. "Deshalb überlegen wir natürlich, was mit längerem Blick auf historische Entwicklungslinien aufbewahrenswert ist."

Dieses Plakat an einer Brücke in Kreuzberg könnte museumstauglich sein.
Foto: Christian Schulz

Aus der Vielfalt der erbetenen Überlassungen erhoffen sich die Geschichtssammler vom Stadtmuseum eine facettenreiche Überlieferung der unterschiedlichen Wahrnehmungen der Corona-Pandemie zwischen Unsicherheit und Hilflosigkeit, die Erfahrung der Entschleunigung bis hin zu Hilfsbereitschaft und Kreativität. Daher heißt es in dem Aufruf: „Ganz gleich, was Ihre Beobachtungen, Eindrücke und Erlebnisse sind, ob beruflich oder privat: Wir interessieren uns dafür! Wie hat sich Ihr Alltag verändert? Welche Erfahrungen haben Sie in dieser Krise gemacht? Welche Gegenstände begegnen Ihnen häufig in der Stadt oder haben eine neue Bedeutung für Sie gewonnen? Und was sind die Bilder, die in Erinnerung bleiben?

Im Rahmen der Sammlung Online (https://sammlung-online.stadtmuseum.de/) des Stadtmuseums Berlin sollen Beiträge auch sichtbar gemacht werden. Diese neue partizipative Plattform soll auch nach der Corona-Krise fortgeführt werden – ergänzt um den allgemeinen Aufruf, „kontinuierlich die Gegenwart zu sammeln und Berliner Zeitgeschichte zu erzählen“.

Schicken Sie Ihr Foto zusammen mit dem ausgefüllten Formular (herunterladen vom Download-Kasten auf der Seite https://www.stadtmuseum.de/berlin-jetzt) und per E-Mail schicken an: berlinjetzt@stadtmuseum.de