Terminal des Hauptstadtflughafens Berlin Brandenburg Willy Brandt (BER).
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BerlinBeim Flughafen BER geht es seit eh und je eigentlich vor allem um drei Fragen: Wird der Flughafen jemals fertig? Wenn ja, wann? Wie teuer wird er? Nach Lage der Dinge sind die ersten beiden Fragen geklärt. Die Antworten lauten: Ja und am 31. Oktober diesen Jahres. Die Antwort zu Frage 3 lautet ungefähr: rund 5,9 Milliarden Euro.

Weil „ungefähr“ und „rund“ bei Zahlen unbefriedigend ist, beschäftigte sich am Donnerstag der Beteiligungsausschuss des Abgeordnetenhauses mit ihnen. Schließlich ist das Land Berlin einer der drei Gesellschafter der Flughafengesellschaft Berlin-Brandenburg (FBB) – und die Parlamentarier müssen die Freigabe des Geldes kontrollieren. Genau dazu hatte es zuletzt neue Fragen gegeben. Zuletzt war bei der Staatsanwaltschaft Cottbus sogar wegen möglicher Pfuschereien beim Jahresabschluss 2019 eine Anzeige gegen Flughafenchef Engelbert Lütke Daldrup eingegangen. Mittlerweile hat die Anklagebehörde mitgeteilt, dass sie keine Anhaltspunkte dafür sehe, an der Richtigkeit des Jahresabschlusses zu zweifeln.

Für Flughafenchef Lütke Daldrup ist nicht erst seitdem klar: Die Finanzen des Unternehmens sind stabil. Trotz der aktuellen Einnahmeverluste durch Corona – im April und Mai gab es fast keine Passagiere in Tegel und Schönefeld, im Juni ging es nach oben, im Juli waren 20 Prozent des normalen Aufkommens erreicht, vorige Woche waren es nach seinen Worten schon 27,2 Prozent, zur BER-Eröffnung Ende Oktober hoffe man auf 40 Prozent – sehe man sich gut aufgestellt. So rechnet er nach eigenen Worten damit, dass er von den 300 Millionen Euro Corona-Hilfen, die der Senat für Einnahmeausfälle im Frühjahr bereitgestellt hat, „bis zu 60 Millionen Euro“ durch eigene Einsparungen zurückzahlen kann. Noch nicht eingerechnet sind die rund 400 Stellen (das sind 20 Prozent der gesamten Belegschaft), die in nächster Zeit abgebaut werden sollen, „natürlich möglichst ohne Kündigungen“, so Lütke Daldrup. Bei weniger Betrieb am Flughafen falle nun einmal weniger Arbeit an.

Dass trotz solcher Geldspritzen dennoch von stabilen Finanzen auszugehen sei, liegt nach den Rechnungen des 63-Jährigen unter anderem an steigenden Entgelten pro Passagier. Diese Entgelte, die Fluggesellschaften pro Fluggast bezahlen, sind der wichtigste Einnahmefaktor von Flughäfen. In den veralteten Airports Tegel und Schönefeld liegt dieses Entgelt pro Passagier bei 12 Euro. Für den modernen BER glaubt Lütke Daldrup, 18 Euro pro Passagier verlangen zu können. Hinzu komme der wahrscheinlich steigende Konsum der Fluggäste in Handel und Gastronomie, von dem der Flughafen über die Ladenmiete mitprofitiert. Vor Corona zählte die FBB rund 35 Millionen Fluggäste pro Jahr.

Doch jetzt herrscht Corona, und niemand kann sagen, wann die Auswirkungen nicht mehr zu spüren sein werden. Die Branche rechne erst für 2024 mit einer kompletten Erholung, sagte Lütke Daldrup. Ganz aktuell sei eine Prognose schon deshalb unmöglich, weil sich das Infektionsgeschehen international so schnell ändere. „Wir haben die schwerste Krise der Luftfahrt seit dem Zweiten Weltkrieg“, sagte Lütke Daldrup. „Und wir erleben gerade in diesen Tagen eine sehr labile Situation, wenn man etwa nach Spanien schaut.“ Das klassische Urlaubsland geht mit einem neuen Lockdown rigoros gegen den Anstieg der Infektionszahlen vor. Prompt geht der Flugverkehr wieder zurück. Keine guten Nachrichten auch für den BER.