Berlin - Der Senat wird nicht müde zu betonen, dass Berlin bisher vergleichsweise glimpflich durch die Pandemie gekommen ist. Doch welchen Wert haben all die Beteuerungen, keine weiteren Lockdowns zu planen und zum Beispiel offene Schulen und Hochschulen zu garantieren, wenn die Infektionszahlen weiter steigen wie bisher? In manchen Bezirken sind die Inzidenzen längst schon wieder über 100 gestiegen.

Noch hält der Senat an seiner Politik der kleinen Schritte, der Fahrt auf Sicht fest. Doch diesmal war man klug genug, von vornherein zu sagen: Wenn die Zahlen sich verändern, können wir rasch reagieren. Also wird die Maskenpflicht an Schulen um weitere zwei Wochen verlängert. Das war notwendig, auch wenn es sehr hart ist, selbst am Platz Maske tragen zu müssen. Erwachsene in Großraumbüros müssen das nicht.

Gleichzeitig hat der Senat an anderer Stelle für Empörung gesorgt und das Vertrauen in eine verantwortungsvolle Politik schüttert. Bekanntlich möchte die Landesregierung, dass sich mehr Kinder und Jugendliche impfen lassen. Daher ist sie in der vergangenen Woche weit vorgeprescht. Obwohl die Impfung für 12- bis 17-Jährige noch gar nicht allgemein empfohlen war, hat man diese Altersgruppe per Brief zur Impfung aufgefordert. Nicht nur „Querdenker“ haben das als Nötigung empfunden.

Jetzt, da die Stiko grünes Licht gegeben hat, dürfte sich der Groll verziehen. Es wird jedoch ein Unbehagen darüber bleiben, dass Kinder und Jugendliche – und natürlich auch ihre Eltern – unter Druck gesetzt wurden. Dabei erkranken die Jüngeren selten ernsthaft an Covid-19. Und grundsätzlich gilt für jede Impfung, dass sie auch ein Selbstschutz sein soll.

Ein generelles Problem bleibt aber ohnehin das Starren auf die Inzidenz. Trotz aller Erklärungen, dass der Faktor Krankenhausbelegung mindestens ebenso wichtig sei, übt die Zahl der Neuansteckungen pro 100.000 Menschen innerhalb einer Woche große Macht aus. Und solange das so bleibt, ist die Berliner Politik des Offenhaltens ein Spiel auf Zeit.

Disclaimer: In einer früheren Version hatten wir geschrieben: „...und trage immer eine Maske, wenn ich meinen Platz im Klassenraum verlasse“. Tatsächlich müssen Schüler ihre Maske auch an ihrem Platz im Klassenraum tragen.