Große Wohnungsunternehmen zeigen Solidarität in Zeiten der Corona-Krise.
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BerlinBisher stehen sie im Ruf, Spielräume für Mieterhöhungen konsequent auszunutzen. Doch in der Corona-Krise zeigen sich Deutsche Wohnen und Vonovia, die beiden größten börsennotierten Wohnungsunternehmen in Deutschland, plötzlich von einer anderen Seite.

Die Deutsche Wohnen kündigte bei der Vorstellung ihres Jahresergebnisses an, einen mit 30 Millionen Euro gefüllten Hilfsfonds aufzulegen. Und die Vonovia erklärte einen Tag später, in der Corona-Krise auf Mieterhöhungen zu verzichten und alle Wohnungsräumungen abzusagen. Deutsche-Wohnen-Chef Michael Zahn sagte: „Wir sind fest davon überzeugt, dass wir in Krisenzeiten Solidarität zeigen müssen – umso mehr, da die Deutsche Wohnen sehr stark aufgestellt ist.“ Die Deutsche Wohnen will „Mietern und langjährigen Geschäftspartnern dort helfen, wo staatliche Unterstützung nicht greift.“

Finanziert werden soll der Hilfsfonds, indem die ursprünglich geplante Dividende von einem Euro pro Aktie auf 90 Cent reduziert wird. Die Anteilseigner müssen dem Vorschlag von Vorstand und Aufsichtsrat jedoch noch zustimmen. Folgen die Aktionäre dem Vorschlag, fällt die Dividende zwar geringer aus als geplant. Doch läge sie mit den 90 Cent je Aktie immer noch drei Cent über der Ausschüttung aus dem vergangenen Jahr. Leisten kann sich die Deutsche Wohnen einen solchen Hilfsfonds ohne weiteres. Der Wert ihrer Immobilien stieg im vergangenen Jahr um 1,4 Milliarden Euro. Die Mieten zogen im Schnitt um 3,4 Prozent an. Über die Ausgestaltung des Hilfsfonds soll in den nächsten Tagen informiert werden. Schon jetzt steht nach Angaben des Unternehmens aber fest, dass der Fonds auch Mietverzichte abdecken soll. Außerdem ist vorgesehen, kleinere Handwerksbetriebe und Dienstleister zu unterstützen, mit denen die Deutsche Wohnen „eine lange Partnerschaft verbindet und die aufgrund der aktuellen Situation gerade in ernsthafte Schwierigkeiten geraten“, wie ein Firmensprecher erklärt.

„Der Hilfsfonds hört sich gut an“, sagt Reiner Wild, Geschäftsführer des Berliner Mietervereins. Die Deutsche Wohnen sollte aber zugleich in der Krise auf Mieterhöhungen verzichten und auch sonst keine Zwangsmaßnahmen gegen Mieter einleiten, fordert er. Eine Gruppe von 157 Wissenschaftlern aus Universitätsstädten wie München, Frankfurt, Hamburg und Berlin geht noch weiter. In einem offenen Brief rufen sie dazu auf, die Immobilienwirtschaft stärker als geplant in die Pflicht zu nehmen. Mietschulden, die auf die Corona-Krise zurückgehen, sollen erlassen und nicht nur gestundet werden. Für Vermieter, die wegen der wirtschaftlichen Folgen in Not geraten, soll ein staatlicher Hilfsfonds aufgelegt werden.   Als Sofortmaßnahme fordern die Wissenschaftler ein Moratorium von Kündigungen, Zwangsräumungen, Mieterhöhungen, Energie- und Wassersperren für Wohn- und Gewerbemieter sowie die Unterbringung von Obdachlosen in Hotels und leerstehenden Wohnungen.