Kneipen können in Berlin ab dem 2. Juni wieder aufmachen.
Foto: dpa/Christoph Schmidt

BerlinDer Berliner Senat hat weitere Lockerungen der Beschränkungen wegen der Corona-Pandemie beschlossen. Auf einer Sondersitzung am Donnerstag hat sich der rot-rot-grüne Senat auf ein ganzes Bündel an Maßnahmen verständigt. Sie treten am 30. Mai in Kraft und gelten bis zum 4. Juli.

Manche Veränderungen greifen bereits ab dem Wochenende. So gibt es ab Sonnabend für Demonstrationen und religiöse Veranstaltungen keine begrenzte Teilnehmerzahl mehr.

Ab kommendem Dienstag sind wieder andere Veranstaltungen unter freiem Himmel erlaubt, zum Beispiel Open-Air-Veranstaltungen wie Konzerte oder Filmvorführungen. Dazu geltende folgende Daten: Ab 2. Juni gibt es eine Begrenzung auf 200 Personen, ab 16. Juni auf 500 Personen, ab 30. Juni auf 999 Personen. Das gilt auch für Sport, auch in Gruppen. Indoor-Veranstaltungen sind ab 2. Juni für bis zu 150 Personen erlaubt, ab 30. Juni sogar für 200 Personen. Zum 2. Juni dürfen auch Fitnessstudio wieder öffnen – allerdings mit drei Metern Abstand der Sportler zueinander. Großveranstaltungen bleiben bis zum 31. August untersagt.

Clubs und Diskotheken bleiben geschlossen

Auch Kneipiers profitieren von den neuen Regelungen: Nachdem Speisegaststätten bereits seit 15. Mai wieder Gäste bewirten dürfen, können ab 2. Juni Schankwirtschaften bald wieder öffnen – und zwar von 6 bis 23 Uhr und nicht mehr nur bis 22 Uhr. Bedingung: Die Gäste nehmen an Tischen Platz, statt etwa am Tresen in Gruppen herumzustehen. Clubs und Diskotheken müssen demnach zunächst geschlossen bleiben.

Ebenfalls ab 2. Juni wird eine private Kinderbetreuung sowie der Betrieb von Spielbanken, Spielhallen und Wettbüros ermöglicht.

Auch bei Familienzusammenkünften wie Trauerfeiern, Taufen oder Hochzeiten – im Senatsjargon: „zwingende Gründe“ – sind zu diesem Termin Lockerungen geplant. Bis zu 50 Menschen sollen an solchen Feierlichkeiten teilnehmen können.

Weiter eine Sonderrolle nehmen Schulen und Kitas ein. So soll Bildungssenatorin Sandra Scheeres (SPD) zur nächsten Senatssitzung am 9. Juni ein Öffnungskonzept vorlegen. Da aber das Schuljahr bereits in drei Wochen endet, wird es dabei hauptsächlich um die Kitas gehen.

Kinos öffnen am 30. Juni wieder

Und es gibt noch weitere Verlierer: Anders als im Nachbarland Brandenburg, wo Kinos bereits zum 6. Juni wieder öffnen dürfen, müssen die Betreiber in Berlin bis zum 30. Juni warten.

Geändert werden soll auch die prinzipielle Systematik der Verordnung. So sagte Innensenator Andreas Geisel (SPD) im Anschluss an die Sitzung, man wolle „nicht mehr benennen, was erlaubt ist, sondern das, was verboten ist“. Senatskanzleichef Christian Gaebler (SPD) ergänzte: „Nicht alles, was nicht in der Verordnung steht, ist verboten.“ Geisel erinnerte daran, dass die Einhaltung von Abstands- und Hygieneregeln jedoch weiterhin Bedingung für alle Lockerungen sei. Es gelte: „Es ist viel möglich, wenn alle vernünftig bleiben.“

Insolvenz des Kino Colosseum

Für das Kino Colosseum in Prenzlauer Berg kommen alle Lockerungen zu spät. Für das traditionsreiche Filmtheater an der Schönhauser Allee wurde am 22. Mai beim Amtsgericht Charlottenburg Insolvenz angemeldet, ein Insolvenzverwalter ist bereits eingesetzt. Der Kinoinhaber, der Immobilienkaufmann Sammy Brauner, gab am Donnerstag auf Nachfrage der Berliner Zeitung keinen Kommentar ab.

Mit dieser Insolvenz steht eine fast hundertjährige Kinogeschichte an dem Standort vor dem Aus. Die frühere Straßenbahn-Wagenhalle an der Ecke Gleimstraße wurde 1924 als Kino eröffnet. Nach dem Krieg diente es als Theaterspielstätte, ehe 1957 Wiedereröffnung als Kino gefeiert wurde. Bis 1963 war das Colosseum das Premierenkino Ost-Berlins und damit der gesamten DDR.

Nach der Wende stieg der Filmproduzent Artur Brauner ein, der Vater des heutigen Inhabers. Nach einer Sanierung ging das Haus mit zehn Kinosälen 1997 neu an den Start. Seit 2006 ist das Colosseum Teil der UCI-Kinowelt-Gruppe.