Ein Bild, wie es Tierschützer oft sehen müssen: Diese Welpen wurden, gemeinsam mit rund 20 anderen Tieren, aus dem Transporter eines Welpenhändlers befreit.
Foto: Vier Pfoten

BerlinViele freuen sich darüber, dass das Leben nach der langen Corona-Pause endlich weitergeht, doch die Corona-Lockerungen haben auch ihre Schattenseiten. Vor einer Folge warnt jetzt die Tierschutzorganisation „Vier Pfoten“: Mit Öffnung der Grenzen wird auch der illegale Handel mit Hundewelpen wieder aufblühen.

Zahllose Welpen, eingepfercht in Transportern, verkauft aus dem Kofferraum - immer wieder betreiben Hundehändler auch in Berlin ihre schmutzigen Geschäfte. Hier hatte die Corona-Krise ihre Vorteile: Durch die Schließung der Grenzen wurde dem Verkauf von schutzlosen Welpen ein Dämpfer verpasst. Die Tierschutzorganisation „Vier Pfoten“ beobachtete das „bei der Anzahl der Hundeanzeigen auf Online-Portalen wie ebay Kleinanzeigen und Quoka.de“, heißt es in einer Mitteilung. Auf der Plattform Quoka.de sanken die Verkaufsanzeigen allein für Welpen in den letzten Wochen und Monaten um bis zu 78,3 Prozent.

Doch nun sehen die Tierschützer, dass die Zahlen wieder steigen - plötzlich wurden allein auf dem Portal ebay Kleinanzeigen etwa 19 Prozent mehr französische Bulldoggen und 22 Prozent mehr Möpse angeboten. „Diese Zahlen verdeutlichen, dass ein Großteil des illegalen Tierhandels auf Online-Plattformen stattfindet und dass viele Tiere aus dem Ausland kommen. Seit die Grenzen nicht mehr so streng kontrolliert werden, blüht der illegale Handel mit Welpen neu auf“, sagt Daniela Schneider, Heimtier-Expertin bei „Vier Pfoten“.

Vor allem Berlin, Brandenburg und die Grenze zu Polen spielen bei den Geschäften der Hundehändler eine wichtige Rolle, erzählt sie der Berliner Zeitung. Erst am 19. Mai befreiten Beamte der Berliner Polizei mehrere Welpen aus einem Transporter (wir berichteten). „Berlin und speziell die Bundesländer im Osten sind durch die Nähe zu den osteuropäischen Ländern Hochburgen des Welpenhandels.“

Von hier, aus Polen, Tschechien, Bulgarien, Ungarn und Rumänien, kommen die Welpen. Sie werden in Hundefabriken unter katastrophalen Bedingungen vermehrt, dann in Transportern Hunderte Kilometer weit gekarrt, um in Deutschland, Österreich und der Schweiz verkauft zu werden. „Gerade in Berlin fallen immer wieder Käufer auf die Händler herein“, sagt Schneider. „Und das, obwohl es hier mehr als in anderen Städten Aufklärungsarbeit gibt. Aber der Kauf eines Welpen verläuft nicht rational, sondern emotional. Die süßen Bilder im Internet und dann der Anblick der Welpen sorgen dafür, dass der Beschützerinstinkt einsetzt.“

Gerade in Berlin fallen immer wieder Käufer auf die Händler herein. Und das, obwohl es hier mehr als in anderen Städten Aufklärungsarbeit gibt. Aber der Kauf eines Welpen verläuft nicht rational, sondern emotional. Die süßen Bilder im Internet und dann der Anblick der Welpen sorgen dafür, dass der Beschützerinstinkt einsetzt.

Daniela Schneider, Heimtier-Expertin bei „Vier Pfoten“

Das Problem: Die Tiere, die aus den Zuchtanlagen kommen, sind oft krank. Wer einen solchen Welpen kauft, riskiert eine lange Kette an Tierarztbesuchen, im schlimmsten Fall den Tod des Hundes. Die Verkäufe laufen oft nach dem gleichen Muster ab, erklärt Schneider. „Der Erstkontakt findet online statt, der Händler bleibt anonym, der Käufer wird zu irgendeiner Adresse gelotst. Unter einem Vorwand wird dann verhindert, dass die Übergabe in der Wohnung des Verkäufers stattfindet, stattdessen werden die Hunde etwa aus dem Kofferraum des Autos verkauft.“ Den Welpen sehe man auf den ersten Blick oft nicht an, dass sie krank sind. Denn sie seien aufgeputscht durch Medikamente und die Übergabesituation, sagt die Expertin.

Wie aber erkennt man einen illegalen Händler? „Seriöse Anbieter bieten nicht mehrere Hunderassen gleichzeitig an. Sie achten darauf, dass mehrere Besuche erfolgen, damit die neuen Halter den Welpen kennenlernen können. Außerdem wird ein guter Züchter Fragen zum Wohnumfeld der Käufer stellen - um sicherzugehen, dass es dem Tier dort gut gehen wird.“ Ein guter Indikator ist auch das Muttertier: Oft wird eine Hündin als angebliche Mutter der Welpen vorgeführt. Ignoriert sie die Welpen, kann sie aber nicht die Mutter sein. Und ebenfalls wichtig: „Bei einem seriösen Anbieter gibt es einen Kaufvertrag mit dem echten Namen des Anbieters und Impfpapiere.“

Das Aufklärungsvideo von „Vier Pfoten“ macht auf den illegalen Welpenhandel aufmerksam.

Video: Youtube

Solange die Händler Online-Plattformen niedrigschwellig nutzen können, wird der Handel weiter blühen. Die Tierschützer fordern deshalb die Politik auf, dem Handel einen Riegel vorzuschieben. Alle Tiere sollen, das sieht der Lösungsansatz von „Vier Pfoten“ vor, mit einem Chip gekennzeichnet sein, auf dem die Daten aller Menschen erfasst sind, die im Leben des Hundes eine Rolle gespielt haben. Kommt es zu Problemen, kann jeder Schritt im Leben des Tiers zurückverfolgt werden. Zudem wird gefordert, dass die Online-Anbieter jedes Angebot kontrollieren. „Es muss verbindliche Gesetze für alle Online-Plattformen geben, damit Händler identifiziert werden können – zum Schutz der Verbraucher, der Tierheime, von seriösen Anbietern, aber vor allem zum Schutz von Millionen Tieren!“