Vor einem Supermarkt in Schöneberg bildet sich eine lange Schlange. 
Foto: dpa/Fabian Sommer

BerlinAngesichts der Kontaktsperre in der Corona-Krise sind viele Berliner am Karsamstag den Parks und Grünanlagen der Hauptstadt ferngeblieben. Die Parkanlagen seien eher mäßig bis wenig besucht, sagte ein Polizeisprecher am Nachmittag. Die Polizei kontrollierte die Einhaltung der Corona-Regeln am Samstag nach eigenen Angaben mit rund 500 Einsatzkräften. Auch in Wäldern und auf dem Wasser achteten die Beamten - teilweise in Zivil - etwa auf die Einhaltung des Mindestabstands.

Im Gegensatz dazu berichteten dpa-Reporter am Vormittag von langen Schlangen auf Märkten, vor Blumenläden, vor Supermärkten und in Lebensmittelgeschäften. Während manche Geschäfte Personal für die Einhaltung der Kontaktsperre einsetzten, gab es an anderen Orten kaum die Chance, den vorgeschriebenen Abstand einzuhalten.

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Um die Verbreitung des neuartigen Virus einzuschränken, müssen Menschen einen Mindestabstand von 1,50 Meter wahren. Gruppen mit mehr als zwei Personen dürfen nicht zusammen spazieren gehen, es sei denn, sie leben in einem Haushalt.

Auf dem Kollwitzmarkt in Prenzlauer Berg verkauften Händler selbstgemachte Schutzmasken in farbigem Design. In den Supermärkten seien am Samstag deutlich mehr Menschen mit Maske zu sehen gewesen als noch am vergangenen Wochenende, hieß es.

Demo auf dem Rosa-Luxemburg-Platz

Am Nachmittag zog die Polizei rund 100 Einsatzkräfte am Rosa-Luxemburg-Platz zusammen, weil dort gegen die Aussetzung von Grundrechten demonstriert wurde. „Zu dieser Versammlung sei angemerkt, dass es weder eine Anmeldung noch den Versuch einer Anmeldung gegeben hat“, sagte ein Polizeisprecher. Teilnehmerzahlen lagen bis Samstagabend noch nicht vor.

Die Teilnehmenden seien mit Lautsprecherdurchsagen und bei persönlichen Ansprachen aufgefordert worden, sich zu entfernen und Mindestabstände einzuhalten. Nicht bei allen habe der Hinweis, dass es sich bei der Versammlung um einen Verstoß gegen das Infektionsschutz handele, Wirkung gezeigt. Bei einem harten Kern von Teilnehmern, der sich nicht habe entfernen wollen, sei es zum Zweck der Identitätsfeststellung zu „vorübergehenden Freiheitsbeschränkungen“ gekommen, sagte der Sprecher. Teils seien Straftaten und teils Ordnungswidrigkeiten festgestellt worden.

Polizistinnen binden sich bei einer Demonstration unter dem Motto "Grundrechte verteidigen - Sage NEIN zur Diktatur!" auf dem Rosa-Luxemburg-Platz gegenseitig den Mundschutz. 
Foto: dpa/Jörg Carstensen

1000 Straftaten und knapp 1300 Ordnungswidrigkeiten registriert

Bereits am Karfreitag hatten ebenfalls rund 500 Polizisten stadtweit die Einhaltung der Maßnahmen gegen das Virus kontrolliert, in der Nacht zu Samstag waren es 140. Insgesamt wurden nach Angaben der Sicherheitskräfte sechs Straf- und 160 Ordnungswidrigkeitsanzeigen erstattet.

Seit dem 14. März seien rund 1000 Straftaten und seit dem 23. März (Inkrafttreten der Kontaktsperre) bisher fast 1300 Ordnungswidrigkeiten als Verstöße gegen das Infektionsgesetz gezählt worden. Bislang haben sich 36 Polizeibeamte mit dem Coronavirus infiziert, aktuell befinden sich 130 Einsatzkräfte in Quarantäne.

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Unter der Woche hatte die Polizei mitgeteilt, dass sie zur Überwachung der Corona-Regeln keine Drohnen einsetzen werde. Kontrollen erfolgten stets im persönlichen Gespräch. Um eine Übersicht zu möglichen Ansammlungen von Menschen zu bekommen, sei aber etwa der Einsatz eines Polizeihubschraubers vorgesehen.