An eine Hauswand in Kreuzberg wurde das Bild eines Jungen mit Mundschutz geklebt.
Foto: imago images/Steinach

BerlinEin gewöhnlicher Sonntagmorgen in Corona-Zeiten in Berlin. Ich stehe vor meinem Stamm-Bäcker am Viktoriapark in Kreuzberg, warte in der Schlange, um mit Maske die Filiale zu betreten. Ich gehe hinein und will mir ein paar Brötchen kaufen. So weit, so Alltag. Doch meine Routine wird schnell getrübt. Plötzlich höre ich Schreie. Als ich aus dem Fenster schaue, sehe ich, wie ein Mann auf der gegenüberliegenden Straßenseite mit einem anderen Mann in einen Streit gerät. Sie gestikulieren, pöbeln sich an. Der größere Schreihals hat ein Fahrrad an der Seite. Plötzlich packt er sich das Rad, hebt es in die Höhe und wirft es mit voller Wucht auf den anderen Mann, der, vom Fahrrad getroffen, auf den Boden stürzt. Menschen eilen ihm zu Hilfe. 

Später stellt sich heraus, dass der Fahrradfahrer unerlaubterweise auf dem Gehweg gefahren und von dem später angegriffenen Passanten zurechtgewiesen worden war. Als ich mit der koppschüttelnden und ebenso starr das Geschehen beobachtenden Bäckereiverkäuferin ins Gespräch komme, höre ich die absurdesten Dinge. „Alltag“, sagt sie und zuckt mit den Schultern. „Wenn Sie wüssten, was ich jeden Tag erlebe. Die Menschen werden aggressiver, sie wollen die Bäckerei nicht mit Masken betreten, pöbeln herum, schmeißen das Kleingeld durch die Gegend und beleidigen mich.“ Die aggressiven Straßenszenen hätten zugenommen. Das ruppige Berlin – es sei noch ruppiger geworden.

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