Berlin - Auch nach mehr als anderthalb Jahren Pandemie dürfen die Menschen immer noch etwas dazulernen. Zum Beispiel die 2G+-Regel. Sie sieht vor, dass bei manchen Veranstaltungen zwar 2G (genesen oder geimpft) gilt, sich die Teilnehmerinnen und Teilnehmer aber dennoch zusätzlich testen lassen müssten (2G+). Könnte sein, dass das schon bald eingeführt wird in Berlin, sagte der Regierende Bürgermeister Michael Müller am Dienstag im Anschluss an die Senatssitzung. In der nächsten Sitzung in einer Woche wolle man das möglicherweise beschließen. Doch was bedeutet das? Wird es demnächst womöglich wieder kostenlose Tests geben?

Zu Beginn der turnusmäßigen Pressekonferenz nach der Senatssitzung führte Müller einmal mehr vor, in wie viele Rollen er schlüpfen kann. Zunächst lobte er als Staatsmann mit Weitblick die deutsche Coronapolitik. Man sei „nicht langsamer oder schlechter als andere Länder“. Weiter sagte er: „Wir haben viel erreicht“ - und prompt kam das Aber. „Aber wir sind bei weitem nicht an dem Punkt, wo wir sagen können: Wir können uns zurücklehnen. Ganz im Gegenteil.“

Damit meinte Müller Bundesgesundheitsminister Jens Spahn (CDU), der seit Wochen mit teils widersprüchlichen Aussagen zu geschlossenen Impfzentren, Auffrischimpfungen, dem Ende der nationalen Notlage und jüngst der Forderung nach einer Ministerpräsidentenkonferenz (MPK) auffällt. Müller rechnete vor, dass es seit Ausbruch der Pandemie mehr als 30 MPK gegeben habe. Er wisse nicht recht, was eine weitere bringen solle. Aber bitte: Wenn Spahn unbedingt eine MPK wolle, müsse er vorher klarmachen, was zu besprechen sei und was er damit erreichen wolle. Um ein einfaches Werben für Auffrischimpfungen jedenfalls, die Booster, könne es nicht gehen. Schließlich würden längst alle für Booster-Impfung werben.  „Der Bundesgesundheitsminister muss jetzt seine Arbeit machen“, so Müller kurz.

Das sollte auch gleichzeitig heißen: Seht her, der Berliner Senat macht seine Arbeit! Das sei notwendig, angesichts steigender Inzidenzen, voller werdender Krankenhäuser und Intensivstationen sowie mittlerweile 8636 Impfdurchbrüchen in Berlin - 86 Prozent davon zeigen Symptome; 1,8 Prozent kommen ins Krankenhaus; rund 0,5 Prozent sterben. Denkbar sei deshalb die Einführung der 2G+-Regelung für Veranstaltungen. Außerdem wolle man Gastronomen genauer auf die Finger gucken, ob sie ihre Gäste auch wirklich kontrollieren.

Lockerungen sind derzeit hingegen ausgeschlossen. Vorigen Sonnabend durften 75 Prozent statt der nach Verordnung vorgesehenen 50 Prozent der Zuschauer in der Alten Försterei die Bundesligapartie FC Union gegen Bayern München sehen. So etwas halte er im Moment nicht mehr für möglich, so Müller. 

Werbung
Werbung

Gesundheitssenatorin Dilek Kalayci (SPD) erinnerte daran, dass das Land Berlin fast als einziges an wenigstens zwei von ursprünglich sechs Impfzentren festgehalten habe. Jetzt sehe man, wie richtig das war. „Die Impfzentren sind eine Berliner Erfolgsgeschichte“, sagte Kalayci. Die Zentren im ehemaligen Flughafen Tegel und in einer Messehalle am Funkturm blieben mindestens bis Ende Januar 2022 erhalten. Im Übrigen solle Minister Spahn sagen, „wo wir jetzt bei der nationalen Impfstrategie stehen“ und welche Rolle die Bundesländer dabei spielen, so Kalayci. Soll heißen: Man will  jetzt mit dem Bund über die Finanzierung der Impfzentren sprechen. Sollte sich die 2G+-Regel bundesweit durchsetzen, könnte auch die Wiedereinführung kostenloser Tests ein Thema werden, sagte Müller.

Keine neue Maskenpflicht an Grundschulen

Ein emotionales Thema ist die Maskenpflicht an Schulen, insbesondere an Grundschulen. Während eine große (und laute) Gruppe aus Eltern, Lehrern und Politikern aus Sicherheitsgründen eine Maskenpflicht befürwortet, wird sie von anderen (meistens leiseren) Eltern, Kinderärzten und Politikern als schädlich abgelehnt. Der Interessenverband Berliner Schulleitungen (IBS) gehört zur zweiten Gruppe, er will nicht zur Maskenpflicht zurückkehren. „Wir sind froh, dass die Maskenpflicht vor den Herbstferien gefallen ist“, sagte IBS-Vorsitzende Astrid-Sabine Busse am Dienstag. „Wir haben schon den zweiten Jahrgang eingeschult, der Schule ohne Maske gar nicht kannte“, sagte Busse, die selbst Leiterin einer Grundschule in Neukölln ist.

Auch der Senat habe nach Müllers Worten über die Maskenpflicht gestritten, wohl wissend um „das sehr bunte Meinungsbild“. Das Ergebnis: Man wolle keine neue Maskenpflicht, „schon gar nicht und erst recht nicht bei den Kleinsten“, so Müller. In den Mittel- und Oberstufen bleibt sie jedoch zunächst bestehen.

Berlin - Auch nach mehr als anderthalb Jahren Pandemie dürfen die Menschen immer noch etwas dazulernen. Zum Beispiel die 2G+-Regel. Sie sieht vor, dass bei manchen Veranstaltungen zwar 2G (genesen oder geimpft) gilt, sich die Teilnehmerinnen und Teilnehmer aber dennoch zusätzlich testen lassen müssten (2G+). Könnte sein, dass das schon bald eingeführt wird in Berlin, sagte der Regierende Bürgermeister Michael Müller am Dienstag im Anschluss an die Senatssitzung. In der nächsten Sitzung in einer Woche wolle man das möglicherweise beschließen. Doch was bedeutet das? Wird es demnächst womöglich wieder kostenlose Tests geben?

Lesen oder hören Sie doch weiter.

Erhalten Sie unbegrenzten Zugang zu allen B+ Artikeln der Berliner Zeitung inkl. Audio.

1 Monat kostenlos.

Danach 9,99 € im Monatsabo.

Jederzeit im Testzeitraum kündbar.

1 Monat kostenlos testen

Sie haben bereits ein Abo? Melden Sie sich an.

Doch lieber Print? Hier geht’s zum Abo Shop.