Die in Berlin geplante Prämie von bis zu 1000 Euro für besonders geforderte Landesbeschäftigte in der Corona-Pandemie soll in absehbarer Zeit fließen.
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BerlinDie Freie Wohlfahrtspflege in Berlin fordert vom Regierenden Bürgermeister Michael Müller eine Kurskorrektur bei der Vergabe von Dankesprämien für Beschäftigte in Coronazeiten. Mit Ausnahme der Kitas seien diese sogenannten „Heldenprämien“ bisher nur für Beschäftigte des Landes vorgesehen, berichtet die Deutsche Presse-Agentur. Das sorge für Unmut und Unfrieden unter den Mitarbeitern der freien Träger, die im Auftrag des Landes oft die gleiche Arbeit machten. „Der Betriebsfrieden ist gefährdet, die Unruhe ist groß“, sagte Oliver Bürgel für die Liga der Spitzenverbände der freien Wohlfahrtspflege, am Mittwoch.

Die in Berlin geplante Prämie von bis zu 1000 Euro für besonders geforderte Landesbeschäftigte in der Corona-Pandemie soll in absehbarer Zeit fließen. Die Finanzverwaltung bereitet jetzt ein Schreiben an Behörden und Landesbetriebe mit konkreten Informationen zur Umsetzung des Vorhabens vor, wie eine Sprecherin am Mittwoch auf dpa-Anfrage mitteilte. Demnach sollen die jeweiligen Leitungen der Dienststellen festlegen, welcher Beschäftigte eine Prämie in welcher Höhe bekommt. Das Geld werde den Betreffenden dann mit ihrem Gehalt überwiesen. Bei Angestellten freier Träger von Kitas oder Horten, die ebenfalls in den Genuss des Bonus kommen sollen, läuft die Auszahlung über deren Arbeitgeber.

Das Geld soll bisher an bis zu 25.000 „Alltagshelden“ gehen, die vor allem in der ersten Phase der Corona-Krise Außergewöhnliches leisteten und oft einer Gesundheitsgefahr ausgesetzt waren. Dazu zählen Polizisten, Feuerwehrleute und Rettungskräfte, Justizbedienstete und Mitarbeiter von Gesundheits- und Ordnungsämtern. Das gilt auch für Erzieherinnen in der Notbetreuung sowie für bestimmte Beschäftigte in Jobcentern. Ärzte und Pfleger der landeseigenen Krankenhauskonzerne Vivantes und Charité haben von den Kliniken bereits eine Prämie von je 450 Euro zugesagt bekommen, die gestaffelt über drei Monatsgehälter ausgezahlt wird.

Über Kriterien einer Vergabe bleibt zu reden

Zur Liga der freien Wohlfahrtspflege, die einen Teil ihrer mehr als 100.000 Mitarbeiter auch bei Prämien berücksichtigt sehen möchte, gehören zum Beispiel die Caritas, das Diakonische Werk, das Deutsche Rote Kreuz und die Arbeiterwohlfahrt. Sie betreiben neben Kitas unter anderem konfessionelle Krankenhäuser, die DRK-Kliniken, Notfallrettung sowie Einrichtungen der Jugendhilfe, Behindertenarbeit sowie Drogen- und Suchthilfe.

Die Grundidee der Dankesprämien sei richtig und zu begrüßen, betonte die Liga. Es sei aber wichtig, dass der Senat auch die freien Träger im Blick behalte und mit ihnen über Kriterien einer Vergabe ins Gespräch komme. Sonst bestehe die Gefahr, dass eine Zweiklassen-Gesellschaft entstehe, in der Helfer für die gleiche Arbeit mit dem gleichen Gesundheitsrisiko unterschiedlich bei emotionaler und monetärer Anerkennung behandelt würden. Es gehe um eine konstruktive Zusammenarbeit mit dem Senat, betonte Caritas-Chefin Ulrike Kostka. „Es muss wirtschaftlich leistbar sein. Wir wollen Berlin nichts abfordern, was nicht möglich ist.“

Ebenso fordert die Liga eine Aufstockung der Prämien des Bundes von bis zu 1000 Euro für alle Altenpflegekräfte um 500 Euro durch das Land. Berlin wolle bisher lediglich 250 Euro zahlen - anders als acht andere Bundesländer, darunter auch Brandenburg, so die Liga. Wie viel Geld der Senat zu dem vom Bund geplanten Bonus dazugibt, ist laut Finanzverwaltung noch offen.