Isabella Steffi Friedrichs wollte ihren 70. Geburtstag feiern, doch die Corona-Regeln machten es komplizierter als gedacht.
Foto: Berliner Zeitung / Volkmar Otto

Köpenick/FredersdorfDie Corona-Regeln – vor allem  das Beherbergungsverbot – sind für viele Menschen schwer nachvollziehbar. Denn sie haben Tücken, die teils zu absurden Situationen führen. Die Berlinerin Isabella Steffi Friedrichs zum Beispiel wollte einfach ihren 70. Geburtstag feiern. Mit Freunden und Familien in einem Hotel in Brandenburg. Doch dort dürfen Berliner derzeit nicht einfach so übernachten. 

Das Hotel im beschaulichen Fredersdorf liegt von der Berliner Stadtgrenze rund sechs Kilometer entfernt. Ein Katzensprung. „Eigentlich müsste man über das, was wir erlebt haben, traurig sein“, sagt Isabella Steffi Friedrichs. „Aber wir versuchen, es mit Humor zu nehmen. Anders geht es nicht.“ Die Berlinerin wurde am 1. Oktober  70 Jahre alt, wollte mit ihrer Familie am Wochenende vom 9. zum 11. Oktober feiern. Rund 20 Gäste sollten kommen, Familienmitglieder aus ganz Deutschland, Freunde aus Berlin.

Schon im Juni, als sich die Lage nach dem Lockdown beruhigt hatte, begannen die Planungen. „Wir wollten in einem Hotel in Fredersdorf feiern, weil wir den 80. Geburtstag meines Mannes im Dezember schon in Berlin verbracht hatten, unseren Gästen etwas anderes bieten wollten“, sagt Friedrichs. Sie reservierten Zimmer, Frühstück, Essen, sogar die Kegelbahn des Hotels. Die Freude, dass Familie und Freunde ein gemeinsames Wochenende verbringen konnten, war groß. „Wir hatten uns teilweise zwei Jahre nicht gesehen“, sagt sie.

Friedrichs mit ihrem Mann Hans-Joachim.
Foto: Berliner Zeitung / Volkmar Otto

Bis zum 9. Oktober lief alles nach Plan – doch gegen Mittag, die Friedrichs saßen auf gepackten Koffern, kam der Anruf aus dem Hotel. „Der Chef informierte uns, dass wir kommen können, dass die Berliner aber wegen der neuen Regeln nicht im Hotel übernachten dürfen.“ Der Schock sei zuerst groß gewesen. „Ich hätte heulen können. Wir hätten die Feier absagen können – aber das hätte mir sehr weh getan“, sagt die 70-Jährige. Stattdessen lautete die Devise: Augen zu und durch!

Lesen Sie dazu auch: Corona-Regeln sorgen für geplatzte Urlaubsträume

Am Freitag reisten alle Gäste an, gefeiert wurde bis 23 Uhr, dann ging es für alle Berliner zurück in die Stadt. Am Sonnabend das gleiche Spiel: Erst mit dem Auto nach Brandenburg, Kaffeetrinken, Abendessen – und gegen Mitternacht zurück. „Den ganzen Tag konnten wir zusammen feiern, aber im Zimmer übernachten war unmöglich“, sagt Friedrichs. Dem Hoteldirektor machen sie und ihr Mann Hans-Joachim keinen Vorwurf. Eher jenen, die die Regeln festgelegt haben. „Im Hotel ist die Nachverfolgung doch viel besser gewährleistet als etwa in einem Restaurant“, sagt er. „Denn dort stimmen die Daten, die die Gäste bei der Anreise angeben.“

Viel schwerer wiegt für Friedrichs, dass sie sich bei der eigenen Geburtstagsfeier an alle Regeln hielten. Freiwillig, weil sie zur Risikogruppe gehört. „Aber es war schon seltsam, meine Gäste mit Maske zu begrüßen, mit Abstand an den Tischen zu sitzen – und meine eigene Schwester nicht in den Arm nehmen zu können.“ Die beiden hoffen, dass sich die Corona-Situation bald beruhigt. Auch, weil sie sich vorgenommen hatten, im Ruhestand die Welt zu erkunden. „Wir kommen beide aus dem Osten, haben immer gearbeitet. Nun, da wir Zeit haben, wollten wir endlich ganz Deutschland bereisen – doch in diesem Jahr mussten schon mehrere Touren abgesagt werden.“ Zumindest bleibt zu hoffen, dass der 75. Geburtstag dafür ein echter Knaller wird.