Corona-Tester in Schönefeld. Wenn ab Sonnabend die Testpflicht gilt, wird es richtig voll. 
dpa/Britta Pedersen

BerlinNun also doch. Mehr als eine Woche nach Beginn der Testungen an den Berliner Flughäfen werden in Tegel und Schönefeld nun auch Kinder ab sechs Jahren auf das Coronavirus getestet. Damit wird eine entscheidende Lücke geschlossen – allerdings so spät, dass Sinn, Zweck und Aussagekraft der neuen Regelung nur noch äußerst zweifelhaft sind. In wenigen Tagen beginnt das neue Schuljahr. Wie viele schulpflichtige Kinder und Jugendliche zuletzt nach der Rückkehr aus einem Risikogebiet ungetestet nach Hause gegangen sind, weiß niemand. Warum zunächst keine Minderjährigen getestet wurden, beantwortete das federführende Universitätsklinikum Charité am Donnerstag nur ausweichend. Man lerne und baue die Kapazitäten Schritt für Schritt aus, sagte eine Sprecherin.

Der Start der Abstrichstellen in der vergangenen Woche verlief äußerst holprig. Angekündigt für Montag, begannen die ersten Testungen in Tegel am Mittwochnachmittag, Schönefeld stieg sogar erst am Freitag in das Programm ein. Verantwortlich für die Teststellen ist die Charité, die mithilfe des landeseigenen Krankenhauskonzerns Vivantes die Testteams aufstellt. In den Teams arbeiten nach Angaben der Senatswissenschaftsverwaltung Pflegekräfte, Medizinstudenten und administrative Kräfte „unter ärztlicher Supervision“, wie es heißt. Ärzte seien für die Abnahme eines Abstrichs nicht notwendig – zumal an den Flughäfen keine Sprechstunden stattfinden. Es handelt sich um freiwillige, kostenlose Tests für Passagiere ohne Krankheitssymptome. Mithilfe der negativen Testergebnisse können die Rückkehrer aus Risikogebieten der obligatorischen zweiwöchigen Quarantäne entgehen. Fällt der Test positiv aus, muss man sich jedoch in häusliche Isolierung begeben.

Der Start der Testung für Minderjährige fällt in den Beginn einer Testpflicht. Wie Bundesgesundheitsminister Jens Spahn (CDU) am Donnerstag mitteilte, gilt die Pflicht ab Sonnabend – es sei denn, sie weisen einen negativen Test vor, der nicht älter als 48 Stunden ist. Diese kostenlose Pflicht betrifft alle Einreisende aus Ländern, die auf der Seite des Robert-Koch-Instituts als Risikogebiete geführt werden. Dazu gehören derzeit alle Staaten außerhalb der EU beziehungsweise des Schengen-Raums, Großbritanniens und einiger europäischer Kleinstaaten. Innerhalb der EU werden derzeit Luxemburg, die belgische Provinz Antwerpen sowie die spanischen autonomen Gemeinschaften Aragon, Katalonien und Navarra als Risikogebiete geführt. Rückkehrer von dort brauchen einen negativen Test, oder sie müssen in Quarantäne.

Testpflicht ist ein Eingriff in das Grundrecht auf körperliche Unversehrtheit

Zuletzt waren noch rechtliche Fragen mit dem Innen- und dem Justizministerium zu klären. Schließlich ist eine Testpflicht ein Eingriff in das Grundrecht auf körperliche Unversehrtheit. „Das ist uns bewusst“, sagte Spahn am Donnerstag, „aber es ist ein zumutbarer Eingriff in die Freiheit des Einzelnen.“ Nach Spahns Worten sei das „mehr als nur eine Pflicht für den Einzelnen. Jeder muss Verantwortung für sich selbst und für andere übernehmen“.

Zu einer Pflicht gehört aber auch, dass die Bundespolizei mit im Zweifel großem Aufwand sicherstellen muss, dass auch wirklich jeder getestet wird. Dafür wird mehr Platz als bisher benötigt. Denkbar ist auch, dass das Test-Personal aufgestockt wird. Bisher werden pro Flughafen jeweils zwei bis drei Drei-Personen-Teams eingesetzt. Das wird bei einer Pflicht nicht ausreichen, vermuten Fachleute.

Deshalb wird an beiden Flughäfen kräftig umgebaut. In Schönefeld steht seit Donnerstag das größere Terminal M für Tests zur Verfügung, vorher war die Stelle im Terminal L untergebracht. Jetzt steht ein 1300 Quadratmeter großer Bereich zur Verfügung, an dem täglich von 8 bis 21 Uhr abgestrichen wird. In Tegel wird das wegen der Corona-bedingten Flugflaute kaum genutzte Terminal D umgebaut. Dort werde „im Laufe der kommenden Woche“ eine 1400 Quadratmeter große Fläche zur Verfügung stehen, heißt es in einer Mitteilung der Flughafengesellschaft. Bis dahin können sich Reisende in Terminal A testen lassen.

Vorige Woche ließen sich nach Angaben der Charité 2300 Rückreisende freiwillig testen. Davon waren knapp ein Prozent positiv. Wie viele Einreisende demnächst getestet werden müssen, hängt auch davon ab, ob die Bundesregierung mit anderen Staaten ähnliche Regelungen trifft wie mit der Türkei. So verkündete das Auswärtige Amt am Dienstag, dass für die vier türkischen Ägäis-Provinzen Antalya, Izmir, Aydin und Mugla keine Reisewarnung mehr besteht. Dort gebe es eine relativ niedrige Zahl an Neuinfektionen sowie ein von der türkischen Regierung verfügtes Tourismus- und Hygienekonzept, sagte eine Außenamtssprecherin. Zu dem Konzept gehören verpflichtende Corona-Testungen für alle vor der Rückkehr nach Deutschland. Die Kosten müssen die Urlauber selbst tragen. An türkischen Flughäfen kann man sich für umgerechnet rund 15 Euro testen lassen. Der Test liegt innerhalb von Stunden vor – in Deutschland wartet man bis zu zwei Tage.