Die mühsame Aufgabenteilung innerhalb der Familien und Partnerschaften fällt für den Single in Corona-Zeiten aus. 
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BerlinAusgerechnet jetzt finde ich einen Zettel von der Hausmeisterin im Briefkasten. Ich soll die Bürostühle und das Regal, die ich seit ein paar Monaten, nach einer Um- und Ausräumaktion „nur vorübergehend“ auf dem Treppenabsatz Richtung Dachboden geparkt habe, entsorgen. Sie hat natürlich recht, aber wie soll ich das jetzt schaffen, ohne starken Mann an meiner Seite, mitsamt Auto und Führerschein?

Unter normalen Umständen würde ich jetzt Freunde aktivieren, oder sogar die Sperrmüllabfuhr. Aber ich habe kein Geld. Und die Freunde? Ich werde wegen der sperrigen Gegenstände jetzt niemanden bitten, das Kontaktverbot und die „Bleiben Sie nach Möglichkeit zu Hause“ Regeln zu umgehen. Und ich habe jetzt schon, auch ohne Möbel vier Etagen nach unten zu schleppen, Rückenschmerzen. Das Gerümpel muss also vorerst bleiben, wo es ist.

Aus Erfahrung: Alltag und Liebe kollidieren schnell

Ja, ein Mann im Haushalt wäre jetzt hilfreich. Aber ansonsten bin ich meistens heilfroh, jetzt nicht mit einem solchen unter coronabedingtem Arrest zu stehen. Allein mit zwei Kindern (fünf und neun Jahre alt), bin ich jetzt bis auf ein paar Nachtstunden rund um die Uhr im Dienst: Ich muss einkaufen, singen, kochen, vorlesen, suchen, waschen, spielen, finden, putzen, unterrichten, aufräumen, schreiben, staubsaugen, trösten, spazieren gehen. Und noch viel mehr und alles durcheinander. Ich habe, wie gesagt, mittlerweile Rückenschmerzen und ich bin froh, dass ich dank Fernseher manchmal ein Nachmittagsschläfchen halten kann. Aber einen Partner vermisse ich derzeit nicht.

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Würde ich jetzt rund um die Uhr mit Mann und Kindern zusammenleben, gäbe es bestimmt Ärger, aber trotzdem viel zu tun. Weil es mal wieder mit der Aufgabenteilung nicht klappt. Aus Erfahrung weiß ich: Alltag und Liebe kollidieren schnell. Ich aber muss mich nicht darum streiten, wer jetzt mit Kochen oder den Kindern „dran“ ist.

Ich tue, was zu tun ist, ohne mich dabei ausgenutzt oder ungerecht behandelt zu fühlen. Die Spülmaschine räumt sich leichter ein, wenn man nicht das Gefühl hat: Das hätte ER doch längst getan haben können. Die Wäsche kommt ohne Groll in die Schränke. Kein: „Wieso weiß er eigentlich nach x Jahren angeblich immer noch nicht, was in welche Schublade gehört?“

Hadern über Single-Dasein dank Corona vorbei

Wenn die Kinder mich am Schreibtisch mit einer Frage unterbrechen, antworte ich ihnen einfach so, ohne zu denken: „Warum kommen sie damit grundsätzlich immer zu mir, aber IHN unterbrechen sie nie bei der Arbeit?“ Auch müssen wir nicht leise sein, damit er ein wichtiges Telefonat führen kann und ich muss auch niemanden bitten, ENDLICH das Radio leiser zu machen.

Bis vor Kurzem, habe ich mich oft nach einem Mann gesehnt, nach Austausch, Bettwärme und geteilter Verantwortung. Dank Corona hadere ich nicht mehr mit meinem Single-Status.

Morgen im Homeoffice: Christine Dankbar über die Biorhythmen ihrer Blutsverwandten.