Die Polizei kontrolliert die Corona-Verordnung.
Foto: Pudwell

BerlinDie neuen Abstandsregeln sollte eigentlich inzwischen jeder kennen – aber einige halten sich noch immer nicht daran. Deshalb musste nach einem Polizeieinsatz am Montagabend ein Supermarkt in Charlottenburg-Wilmersdorf geschlossen werden. Eine Polizeisprecherin sagte, dass es in dem Laden viel zu voll gewesen sei und dass die vielen Kunden den nun vorgeschriebenen Sicherheitsabstand nicht eingehalte hätten. Die Polizisten stellten sich vor den Eingang des Edeka-Ladens in der Berkaer Straße und kontrollierten den weiteren Zugang.

„Der Betreiber wurde mehrfach auf die Abstandsregel hingewiesen“, sagte die Sprecherin. Doch das habe nicht funktioniert. Der Betreiber habe sich schließlich entschieden, das Geschäft ganz zu schließen.

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Derzeit sind alle Passanten in dieser Stadt aufgefordert, überall in der Öffentlichkeit einen Mindestabstand von 1,5 Metern zu anderen Menschen einzuhalten. Öffentliche Verkehrsmittel sind davon ausgenommen, wenn engere Kontakte unvermeidlich sind.

„Keine Supermarktstreifen“

„Wir kontrollieren nicht gezielt Supermärkte, haben also keine speziellen Supermarktstreifen“, sagte eine Polizeisprecherin der Berliner Zeitung. „Wir fahren dort nur hin, wenn wir von den Betreibern gerufen werden oder weil sich Bürger beschwert haben.“ Aber die Polizisten würden auf ihren Streifen natürlich ganz genau schauen, ob sie irgendetwas Auffälliges sehen.

„Derzeit sind etwa 300 Polizisten in der Stadt unterwegs, um zu schauen, ob all die neuen Regelungen und Verbote eingehalten werden“, sagte sie. Das seien wohlgemerkt die zusätzlichen Kräfte, denn die einzelnen Polizeiwachen würden ihre übliche Arbeit ja auch fortsetzen.

Die Bilanz für den Montag und Dienstag sieht nach Angaben der Polizei folgendermaßen aus: Am Montag kontrollierten Polizisten von 6 bis 18 Uhr insgesamt 154 Objekte und stellen in 53 Fällen Zuwiderhandlungen fest, weil zum Beispiel Kunden die Bäckerei nicht verlassen hatten, sondern dort drin aßen. Es wurden 37 Läden sofort geschlossen und 43 Strafanzeigen gestellt.

Insgesamt 45 Schließungen

Von Montag 18 Uhr bis Dienstag 6 Uhr wurden 87 Kontrolle durchgeführt, 64 Verstöße festgestellt und 27 Anzeigen aufgenommen. Sieben Objekte wurden geschlossen.

Meist funktioniert es in der Realität mit den Abstandsregeln am Dienstagvormittag ziemlich gut. Jedenfalls tagsüber. So sind zum Beispiel bei einem Edeka-Supermarkt in Friedrichshain ganz klare Regeln eingeführt worden. Der Laden hat nicht mehr bis 23 Uhr, sondern nur noch bis 20 Uhr geöffnet. Die Zahl der Einkaufswagen wurde auf 20 reduziert und auch die der Körbe.

Wenn zu viele Leute nur mit den eigenen Taschen in den Laden wollen, werden sie aufgehalten. An der Tür steht ein Wachmann mit Schutzmaske über der Nase und sagt freundlich: „Halten Sie sich bitte an die Regeln.“ Es sind nun nur noch drei statt der sonst üblichen fünf Kassen geöffnet. Für die Warteschlange sind extra die Mindestabstände auf dem Boden gezeichnet - und die Leute halten sich dran. Die Frau an der Fleischtheke sagt, dass es am Montagabend überall sehr voll war.

„Viele waren wohl doch überrascht“

„Viel waren wohl doch überrascht worden von den Verboten“, sagte sie. „Aber sie halten sich überraschenderweise wirklich vorbildlich an die Regeln.“

Ebenso ist es beim DM-Drogeriemarkt in der Nähe. Dort freut sich die Kassiererin, dass wirklich fast alle nun mit Karte bezahlen. „Dann brauchen wir kein Geld anfassen.“ Sie desinfiziere auch regelmäßig die Knöpfe am Kartenlesegerät, damit sich die Leute dort nicht gegenseitig anstecken.

Bei einem Rewe sind zusätzlich noch die Kassen mit großen Plexiglasscheiben von den Kunden getrennt, damit die Kassiererinnen möglichst geschützt sind. In allen großen Läden gibt es inzwischen die Aufkleber am Boden im Abstand von 1,50 Metern.

Spinat ausverkauft, Rosenkohl noch reichlich da

Die Regale sind überall mindestens zu einem Drittel leer. Die Vorlieben der Berliner sind klar zu erkennen. Feinfrost-Spinat ist seit Tagen ausverkauft, es gibt aber noch Grünkohl und Rosenkohl. Wasser darf nur noch begrenzt eingekauft werden – maximal 24 Flaschen pro Einkauf. Auch bei vielen Kosmetikartikeln ist die Obergrenze drei Stück.

Die Sprecherin des Rewe-Konzerns, Kristina Schütz, sagte der Berliner Zeitung: „Wir sehen in unseren Märkten, dass die absolute Mehrzahl unserer Kunden sehr besonnen und verständnisvoll sind im Umgang untereinander, aber auch im Austausch mit unseren Mitarbeitern.“

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Rewe will wohl auch Einlasskontrollen

Einen wichtigen Beitrag zum Schutz könnten die Kunden leisten, indem sie Abstand halten und sich besonnen und respektvoll verhalten. Außerdem verfügen alle Märkte über ein umfassendes Hygienekonzept namens HACCP. „Die Märkte werden mehrmals täglich gereinigt“, sagte sie. Es gebe die Schutzscheiben, die Aufkleber und alle Mitarbeiter seien über die strengen Hygienevorschriften noch einmal aufgeklärt worden „Zusätzlich statten wir die Mitarbeiter schrittweise mit Handdesinfektionsmitteln, Hygienehandschuhen und pflegenden Handcremes aus.“

Auch Rewe will nun – je nach Notwendigkeit in den einzelnen Läden – die Zahl der Einkaufswagen reduzieren und schärfere Einlasskontrollen durchführen.