Die Polizei auf Streife im Party-Kiez Mitte. 
Foto: dpa/Paul Zinken

BerlinNach viel Kritik an trinkenden und feiernden Menschen in den Berliner Straßen während der Corona-Pandemie will sich der Senat jetzt einen offiziellen Überblick über die Party-Hotspots verschaffen. Gesundheitssenatorin Dilek Kalayci (SPD) bat die zwölf Bezirke um Unterstützung. Sie sollen Gegenden nennen, in denen verstärkt feiernde und Alkohol trinkende Gruppen die Abstands- und Hygieneregeln missachten, wie der Bezirksbürgermeister von Mitte, Stephan von Dassel (Grüne), mitteilte.

Kalayci erklärte dazu: „Ich habe vorsorglich die Bezirke abgefragt, um einen Überblick über die Lage zu erhalten und damit möglichen Handlungsbedarf erkennen zu können.“ Dassel forderte erneut, den sogenannten Außerhaus-Verkauf von Alkohol in Geschäften, Imbissen und sogenannten Spätis an bestimmten Orten und zu bestimmten Zeiten zu verbieten. „Wenn eine durchaus mit Berlin vergleichbare Stadt wie Hamburg mit einem lokal und zeitlich begrenzten Alkoholverkaufsverbot gute Erfahrungen macht, kann das nicht ignoriert werden.“

In Hamburg ist der Verkauf von Alkohol zum Mitnehmen in Szenevierteln in den Wochenendnächten seit Juli verboten. Damit sollen die üblichen Massen-Partys auf der Straße eingeschränkt oder verhindert werden.

In Berlin ist es derzeit in den warmen Augustnächten vor allem vor Kneipen und Spätis in Mitte, Kreuzberg, Friedrichshain, Neukölln, Schöneberg und weiteren Innenstadtkiezen voll und eng. Weil viele junge Menschen Getränke in Kneipen und Bars zu teuer finden, trinken manche lieber billiges Flaschenbier vor den Spätis. So drängen sich rund um den Rosenthaler Platz in Mitte in den langen Nächten große Gruppen von Jugendlichen auf den Bürgersteigen und Bierbänken.

Dassel kündigte erneute verstärkte Kontrollen für dieses Wochenende an. Auch Neuköllns Bezirksbürgermeister Martin Hikel (SPD) hatte kürzlich sein Ordnungsamt gezielt losgeschickt. Aus anderen Kneipen-Bezirken wie Friedrichshain-Kreuzberg kamen hingegen keine entsprechenden Mitteilungen. Vor allem die Vorschriften zu Abständen zwischen Tischen, Masken und Kontaktlisten werden häufig nicht eingehalten.

Zusätzlich sollen demnächst 240 Mitarbeiter in den Ordnungsämtern der Bezirke bereitgestellt werden. Das hatte der Senat bereits am Dienstag angekündigt.  Gesundheitssenatorin Kalayci hatte Anfang der Woche von einer großen Sorge um die Gesundheitsgefahren gesprochen und zunächst ein Alkoholverbot für Kneipen und Bars in bestimmten Straßen ins Spiel gebracht. Am Dienstag sagte Kultursenator Klaus Lederer (Linke) dann, der Senat denke über so ein Alkoholverbot nicht nach. Mehr Kontrollen und Bußgelder seien aber nötig.

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